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Donnerstag, 19. September 2019

Ausflug mit SchwieMu zum Mundenhof

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SchwieMu hatte sich zum Geburtstag einen Ausflug mit allen ins Grüne gewünscht. Ein Tag wo alle Zeit hatten war schnell gefunden (letzten Sonntag). Unser Auto ist recht klein und wir bekommen den Rollstuhl gerade eben so in den Kofferraum.

Allerdings nur, wenn wir die breite Seite vom Rücksitz umklappen, so dass die dritte Person dann extrem unbequem auf dem schmalen Rest Rückbank sitzen muss. Die Schwägers haben "nur noch" einen flotten Sportwagen. Laut Schwager T geht der Rollstuhl rein, aber dann gibt es auch dort keine Rückbank mehr. Man müsste also auf jeden Fall immer mit 2 Autos fahren - nicht so toll für die Umwelt.
Schatz und Schwägerin B haben sich mehrfach beraten und am Ende kam der Mundenhof dabei heraus. Da gibt's Natur, viele Tiere zum begucken, Gastronomie, er ist barrierefrei und mit den Öffentlichen gut zu erreichen.
Wie üblich hat SchwieMu nur den Wunsch geäußert und alles andere ihren Kindern überlassen. Daher war ich etwas angekäst, als sie sich nach Verkündung des Ausflugsziels etwas enttäuscht äußerte (jedenfalls hat Schatz es so aufgefasst). Sie hätte sich ja eher vorgestellt, dass wir mit ihr auf den Schlossberg fahren und sie uns dann in den Dattler einlädt. Also, dann soll sie doch sagen was sie will! Auf diese Idee ist jetzt von uns keiner gekommen, weil sie mit B erst kürzlich auf dem Schlossberg war. Man versucht ja immerhin nicht ständig an die gleichen Stellen mit ihr zu kommen, damit sie auch etwas Abwechslung hat. 
Esel
Auch ein Ausflug mit der Höllentalbahn zum Titisee stand im Raum. Aber die neuen barrierefreien Züge fahren nur von Montag bis Freitag (hatte B herausgefunden) und ob wir mit den "normalen" Zügen eine Einstiegshilfe benötigen und ob sowohl in Freiburg als auch in Titisee die defekten Aufzüge an den Bahnsteigen inzwischen wieder funktionieren (vor den Sommerferien waren die nämlich noch defekt), konnte uns die Bahn-Hotline, die für barrierefreies Reisen zuständig ist (auf meine Anfrage hin) ohne Angabe einer genauen Verbindung (mit Uhrzeit und allem Pi Pa Po) nicht sagen. Was hat denn die Uhrzeit mit funktionierenden Aufzügen zu tun? Entweder die laufen oder die laufen nicht. Auf der Höllentalbahn werden am Wochenende immer die gleichen Züge eingesetzt. Entweder wir brauchen eine Einstiegshilfe oder nicht. Völlig egal, um wieviel Uhr wir da fahren. Nach dem ganzen Hickhack frage ich mich, wie Rollifahrer, die wirklich mit der Bahn fahren MÜSSEN, sich ständig mit sowas rumplagen können, ohne den Verstand zu verlieren. Ich hab diesbezüglich ja auch schon so einige "Reisestorys" gehört, wo ich persönlich wohl Amok gelaufen wäre...Tsss.
Schau mir in die Augen, Bambi :-D

Noah und seine Arche
Na, jedenfalls war die Bahn schnell vom Tisch. Es sollte zum Mundenhof gehen. Wir haben uns also am Sonntag um kurz vor 12 Uhr auf den Weg gemacht, weil wir SchwieMu um 12:30 Uhr abholen sollten. Nur ein paar Straßenbahnhaltestellen weiter, fuhr nämlich um 13 Uhr der Bus zum Mundenhof ab. Schwager T hatte bei der VAG vorsorglich herausgefunden, dass Ein- und Ausstieg am Mundenhof, dank Rampe am absenkbaren Bus, problemlos möglich ist. Ansonsten wäre noch die Möglichkeit, mit der Straßenbahn ins Rieselfeld zu fahren und von dort die knapp 2 km zum Tiergehege zu spazieren :-) Das war den Schwägers aber wohl zu weit.
Spiel-Drache

Watussi-Rind
Wir haben es gerade so in den Bus geschafft, weil 2 der 3 Muttis mit Kinderwagen ihre Gefährte zusammenklappen konnten. Sonst wäre der Bus mit Kinderwägen voll gewesen. Der Busfaherer war unglaublich freundlich, gab Auskunft und half beim Ein- und Ausstieg. Die Wege im Mundenhof sind allerdings Kies- bzw. Schotterwege. Das hatten wir so nicht mehr ganz in Erinnerung gehabt, weil wir alle schon länger nicht mehr dort waren. Für SchwieMu war das sicher nicht immer angenehm. Wieso haben Rollstühle eigentlich keine Federung/Stoßdämpfer?
Strauß mit Kind

Uhu
Der Mundenhof ist tatsächlich Freiburgs kleinster Stadtteil. Dort leben nur knapp unter 50 Menschen. Denn eigentlich ist der Mundenhof ein Tiergehege bzw. Landwirtschaftlicher Betrieb ;-) Und die Stadtgärtnerei ist auch noch auf dem Gelände.
Erdmännchen
Der Mundenhof, damals ein Gutshof mit Namen Muntichova in Besitz eines Priesters, wurde 864 erstmals urkundlich erwähnt (als er dem Kloster St. Gallen geschenkt wurde). Der Hof und die dazugehörigen Länderein fielen im Laufe der Jahrhunderte an verschiedene Eigentümer. Unter anderem an das Herzogtum Baden und später an die Universität Freiburg, die ihn 1889 an die Stadt Freiburg verkaufte. Dort wurden ab 1891 die Freiburger Rieselfelder (daher der Name des Stadtteils) angelegt. Eine natürliche Kläranlage, die vom Mundenhof aus bewirtschaftet wurde. Damals einer der größten landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg.
Gibbon

Schild bei den Java Affen :-D

Java Affe
Ab 1968 wurde dann ein kleiner Teil des Geländes zu einem Tiergehege umgewandelt. Heute ist es mit ca. 38 Hektar Fläche das größte Tiergehege in Baden-Württemberg. Es werden Haustierrassen aus aller Welt und einige Wildtierarten gezeigt. Zu sehen sind etwa 30 Tierarten und 180 Tiere.
alter Pferdestall mit Schauaquarien

Im ehemaligen Pferdestall gibt es heute Schauaquarien zu bestaunen.
Ich hab Nemo gefunden ;-)

Piranha
Es gibt ein weitläufiges Wegenetz mit teilweise schönen Aussichten in die Umgebung. Spielplätze, Gastronomie und frei lebende Störche nisten dort auch (man kann sie per Webcam beobachten).

SchwieMu wollte uns gleich zu Anfang zum Mittagessen einladen. Aber die Schwägers hatten gerade gegessen und wir hatten spät gefrühstückt. So kamen wir um eine großzügige Einladung drum herum. Denn SchwieMu lädt uns ständig irgendwohin ein und man bekommt das Gefühl, für einen Besuch bei ihr "bezahlt" zu werden. Und das ist wirklich unangenehm (meine Oma macht das ja auch). Nachdem wir bei den Schauaquarien waren, gab es lediglich ein Eis bzw. Kuchen von SchwieMu gesponsort. Das war dann eher OK als ein richtiges Mittagessen.
Lecker Eis direkt vom Mundenhof :-)
Das tollste ist: der Mundenhof hat eigentlich rund um die Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei. Das Tiergehege finanziert sich teilweise über Spenden und Parkgebühren. Denn lediglich wer mit dem Auto anreist, muss 5 EUR für's parken bezahlen (10 EUR für einen Bus).
Wollschwein-Mama mit Babys
Laut Internet besuchen im Durchschnitt rund 8.000 Menschen am Tag den Mundenhof. Das ist erstaunlich, denn auf dem weitläufigen Gelände kommt es einem meist gar nicht so "voll" vor :-) Auch am Sonntag war viel los, aber überfüllt kam es uns nicht vor. Es hat sich gut verteilt.

Allerdings sollten einige Mütter ihren Kindern mehr Anstand und Respekt beibringen. Es geht gar nicht, dass sie einer (fremden) älteren Dame im Rollstuhl fast auf den Schoß klettern, nur um besser sehen zu können oder sich einfach vor sie drängeln:-/ Und auch so mancher Hundebesitzer fiel negativ auf, indem er sich auch noch freute, dass sein Vierbeiner die Tiere im Gehege aggressiv ankläffte und damit die Tiere verschreckte - was wiederum zu großem Gejammer bei den Kindern führte.
Und bei den Straußen mussten tatsächlich in 3 Sprachen duzende Schilder aufgehängt werden, dass alle Tiere im Mundenhof ausreichend und ihren Bedürfnissen entsprechend gefüttert werden und man es doch bitte unterlassen soll, gerade den Straußenküken Gras zum fressen durch den Zaun zu reichen. Denn die kleinen Vögel fressen das, können es aber nicht verdauen und sterben daran :-(

SchwieMu hat immer noch Probleme mit den neuen Hörgeräten. Die Handhabung mit den Ladegeräten ist problematisch, da die kleinste Berührung die Teile von den Kontakten löst und sie dann nicht mehr geladen werden. Außerdem können sie die Umgebungsgeräusche bei einem Gespräch nicht gut unterbinden/rausfiltern - wie das z. B. beim Mobiltelefonieren der Fall ist - so dass SchwieMu oft mehr hört, was um sie herum passiert, als was ihr Gegenüber zu ihr sagt. Der Mensch fliegt zum Mond und schickt Sonden zum Mars, kriegt aber so ein blödes Hörgerät nicht hin?

Eine andere Sache ist, dass SchwieMu (notgedrungen) oft alleine Zuhause ist und da die Hörgeräte meistens aus oder sehr leise gestellt hat. Sie ist dadurch an die alltäglichen "Umgebungsgeräusche" einfach nicht mehr gewöhnt und schnell genervt von allem "Krach" (den sie Zuhause ja quasi einfach abschaltet). Im Mundenhof waren es dann bellende Hunde und johlende Kinder auf dem Spielplatz.
das ehem. Bärengehege
Wir haben uns über eine Stunde auf dem Mundenhof aufgehalten und mit Freude festgestellt, dass das alte Bärengehege (aus den 70er Jahren, als man Bären noch so halten durfte) endlich keine Betonwüste mehr ist. Es ist richtig grün geworden, hat einen Wasserlauf bekommen und demnächst sollen dort Buntmarder einziehen :-) Bis vor ein paar Jahren lebten dort noch zwei Bären, die aber im hohen Alter, kurz nacheinander, wegen Krankheit eingeschläfert werden mussten. Die taten mir in ihrem Betonloch echt leid. Gut, dass sowas heute nicht mehr erlaubt ist! Und die Buntmarder bekommen da offenbar ein richtig schönes Zuhause :-)
Seerose im ehem. Bärengehege
Als wir schlussendlich in Aufbruchstimmung waren, hätten wir noch etwas über eine Stunde auf den Bus warten müssen. Es wäre auch der letzte Bus des Tages gewesen (um 17 Uhr). Wir haben darüber sinniert, wie voll der Bus wohl werden würde, da wir ja auf der Hinfahrt schon gerade so hineingekommen sind. Durch den kompletten Tierpark und weitere knapp 2 km zur Straßenbahnhaltestelle im Rieselfeld war auch keine Option.
Kurzentschlossen sind wir mit SchwieMu zurück spaziert. Wir sind durch ein Waldstück und Schrebergärten gekommen. So hatte sie auch auf dem Heimweg noch die gewünschte Natur. Fast genau eine Stunde haben wir gebraucht und waren somit sogar noch vor 17 Uhr bei ihr (da wäre ja erst der Bus gefahren).
die Dreisam mit Geranie
Am Ende scheint ihr der Ausflug in den Mundenhof doch gefallen zu haben. Wir hatten auch Spaß. Aber etwas anstrengend war es auch. Es war sehr warm und die Wege ließen sich nicht immer leicht mit dem Rollstuhl befahren. Trotzdem bin ich immer wieder gern am Mundenhof und betrachte gerne die vielen verschiedenen Tiere.