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Montag, 6. April 2026

Ein Jahr nach der Trennung

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Heute vor einem Jahr, habe ich mich nach 18 Jahren von meinem Partner getrennt. Das Jahr nach der Trennung war ziemlich anstrengend. Was vor allem daran lag, dass ich das Ende unserer Beziehung betrautert, aber anschließend auch recht schnell nach vorn gesehen habe, während er sehr lange noch versuchte, alles wieder gut zu machen und die Beziehung irgendwie zu retten. Nur kann man nichts retten, was nicht zu retten ist. Und für mich heißt vorbei, tatsächlich vorbei. Ich bin nicht der Typ für diese berüchtigten On-Off-Beziehungen.

Inzwischen funktionieren wir als Freunde und WG-Mitbewohner ganz gut - die meiste Zeit jedenfalls.
 
Für mein emotionales Wohlbefinden war alleine der Schritt, die Trennung laut auszusprechen und dabei zu bleiben, ein richtig großer Schritt. Allein dadurch ging es mir tatsächlich schon besser. 
Image by congerdesign from Pixabay
Ich koche immer noch für uns beide - nicht ganz uneigennützig, muss ich zugeben. Denn ich weiß, wie verwüstet die Küche jedes Mal aussieht, wenn er da was gemacht hat. Und ich hab es da lieber sauber und ordentlich nach meinen Standards. Ich hätte Bedenken, abends von einem langen Arbeitstag nach Hause zu kommen und er stünde noch in der Küche, nicht fertig. Und ich müsste mit dem Kochen dann warten, bis er mal in den Quark kommt. Oder er wäre schon fertig und die Küche sähe aus wie ein Schweinestall. Ich weiß, ich sollte es eigentlich lassen, aber auf tägliche Diskussionen und Krach, weil wir einfach ein komplett unterschiedliches Verständnis von Sauberkeit und Ordnung haben, kann ich gut und gerne verzichten.
 
Auch so ein Thema, was mir teilweise jetzt noch auf den Keks geht ist, dass er sich schwer tut in seinen Kopf zu bekommen, dass wir nur noch befreundet sind. Aber das heißt nicht, das wir immer noch alles zusammen machen. Das er oft beleidigt ist, wenn ich was alleine unternehme, nervt ziemlich. Und obwohl wir über genau dieses Thema Anfang des Jahres nochmal ausführlich diskutiert haben, scheint er sich mit dem Gedanken immer noch schwer zu tun :-/

Haushaltsbuch hab ich angefangen zu schreiben. Aber so ganz im Flow bin ich da immer noch nicht. Immerhin habe ich jetzt schonmal grob nen Überblick, wer was verbraucht und was es kostet und beim allgemeinen Wocheneinkauf hat es sich eigentlich immer grob die Waage gehalten. Aber da teile ich jetzt halt ganz genau auf - nicht mehr nur so Pi mal Daumen ;-) Bis jetzt hat er seine "Rechnungen" auch immer brav bezahlt ohne zu murren.

Ich kann das Auto behalten, sollte ich ne Wohnung finden, solange es noch TÜV bekommt. War tatsächlich sein Angebot und kam alleine von ihm aus. Denn er darf aktuell eh nicht fahren und hat kein Problem, mir das Auto zu überlassen. Wenn ich ihn dann mal zum Einkaufen mitnehme und so. Das ist alles kein Problem. Kann man drüber reden.
 
Da die Wohnungssuche im Großraum Freiburg immer noch eine ziemliche Katastrophe ist, führen wir das WG-Leben vorest (zwangsweise) weiter fort. Finanziell kommt mir das natürlich sehr entegen. Nervlich leider nicht immer. Aber ich sag mal, zu 80 % funktioniert es inzwischen. Was gut so ist, sonst wäre die ganze Sache noch schwieriger.
 
Die Wohnungssuche geht trotzdem weiter. Irgendwann muss es ja mal klappen. Außerdem: Sollte ihm aus irgendwelchen Gründen mal irgendwas passieren, dann wäre ich obdachlos. Denn er ist in der Baugenossenschaft, der die Wohnung gehört. Ich nicht. Aufnahmestopp bei Neumitgliedern schon vor 15 Jahren!
 
Tatsächlich haben wir angefangen, uns als "nur Freunde" etwas wohler zu fühlen. Die ganzen Spannungen, die es die letzten Jahre gab, sind irgendwie auf einmal weg. Der Umgang miteinander hat sich (aus meiner Sicht) positiv verändert. Auch wenn es immer noch ein paar Reibungspunkte gibt. Aber ich habe nie erwartet, dass es perfekt wird. Dass es überhaupt so platonisch funktioniert, ist schon was.
Image by bess.hamiti@gmail.com from Pixabay
Einen Putzplan wollte ich aufstellen. Aber er hat darum gebeten, die Haushaltsaufgaben so zu belassen, wie sie waren. Womit ich an und für sich kein Problem habe, denn er macht jetzt auch noch ein paar Kleinigkeiten, die er früher nicht gemacht hat. Das einzige, was immer noch nicht optimal läuft, ist die Regelmäßigkeit. Aber das habe ich früher schon von Freunden und Kollegen in WGs gehört, das sich "nie einer an den Putzplan hält". Und so wische ich bei ihm halt auch nur dann Staub, wenn er bei mir mit durchgesaugt hat. Ansonsten ist sich jeder selbst der Nächste (zumindest was die eigenen Zimmer angeht).
 
Der letzte große Streitpunkt war, als er im letzten Sommer angefangen hatte, Kontakt mit einer anderen Frau aufzunehmen und mich dann vor halb vollendete Tatsachen gestellt hat, als es hieß, sie wolle für "mal eben" 4 (!) Wochen zu Besuch kommen. Soll er sich treffen mit wem er will. Hab ich kein Problem mit. Besuch bei uns zu Hause? Von mir aus. Aber "einziehen" einer Fremden für 4 Wochen? Das wäre dann doch etwas zu viel des Guten.
 
Zum Glück hatte sich die Sache mit "seiner Dämlichkeit" dann aber von alleine gelöst. Die ach so liebe und herzliche und verliebte Irina (?...irgendwas russisches) stellte sich als Romance Scammerin heraus.
 
Meine bereits gepackten Kartons stehen immer noch im Keller und warten auf (m)eine neue Bleibe.
 
Neulich habe ich einen Artikel über Wohnen in München gelesen. Noch schlimmer als hier. Da landen seit einigen Jahren Menschen mit Vollzeitjob reihenweise in Sammelunterkünften für Obdachlose, weil sie sich trotz Vollzeitjob und Nebenjob dort keine Wohnung leisten können. Wenn man jede freie Minute arbeitet (2 Jobs, einer davon Vollzeit!) und dann trotzdem zu wenig zum (über)leben verdient, aber deutlich zu viel für Sozialhilfe, dann ist das wirklich eine dramatische Entwicklung. Zumal ich ja auch genau in diese Lücke falle. Vollzeit, zu wenig um Miete im freien Wohnungsmarkt zu stämmen, aber deutlich zu viel für irgendwelche solzialen Unterstützungen.

Ich versuche dennoch, irgendwie in eine der drei zur Verfügung stehenden Baugenossenschaften noch rein zu kommen. Aber die Wartezeiten auf eine Wohnung sind bei allen gleich - falls man überhaupt aufgenommen wird: im Durchschnitt ca. 10 Jahre! Bleibt zu hoffen, dass es bei irgendeiner klappt und ich unterm Durchschnitt liege. Denn der freie Wohnungsmarkt ist kaum machbar.

Es ist absolut irre, was hier ab geht. Wobei ich mittlerweile von Familie und Bekannten aus der Heimat und dem Norden höre, dass es dort inzwischen auch nicht mehr soooo einfach sein soll, günstigen Wohnraum zu finden. Zumindest nicht dort, wo auch die Jobs sind.

Die Überlegung, meine Zelte in Freiburg komplett abzubrechen kamen im letzten Jahr immer mal wieder auf. Aber egal wie lange ich rumüberlegt habe, das Ergebnis war am Ende immer das gleiche: Ich will nicht weg! Ich liebe es hier. Ich war 24 Jahre im Sauerland. Jetzt schon fast 20 Jahre in Freiburg. Das ist mein Zuhause. Auch wenn Freiburg es einem wohnungstechnisch wirklich absolut nicht leicht macht, möchte ich gerne bleiben. Daher kämpfe ich weiter, um irgendwas bezahlbares zu finden. 

Trotz der (emotional) ungünstigen Wohnungssituation, geht es mir gut. So gut wie lange nicht mehr, denn ich hatte Ende letzten Jahres endlich auch mal wieder den Kopf, um mich auch gesundheitlich um mich selbst zu kümmern und "aufzupeppeln". Selfcare! Das habe ich während der letzten Jahre in der Beziehung total aus dem Blick verloren, weil alles immer nur um ihn und seine Gesundheit kreiste.
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Ich bleibe optimistisch, gehe meinen Weg weiter. Voran. Nicht zurück. Und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Man muss auch mal stolz auf sich sein...

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Stolz (von mittelniederdeutsch stolt „prächtig“, „stattlich“) ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst oder anderen, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten „Ganzen“. Eine zweite Bedeutung des Wortes Stolz, welche in der Alltagssprache mittlerweile eine untergeordnete Rolle spielt, ist ein von Selbstüberschätzung geprägtes Denken oder Verhalten (Hochmut).
(Quelle: Wikipedia) 
 
 
Als Heidi Anfang Januar mit der Idee um die Ecke kam, mal einen Post zu machen, auf was wir alles stolz sind, war ich spontan von dem Gedanken angetan. Vor allem weil mir auf Anhieb drei Dinge eingefallen sind, auf die ich echt stolz bin. Aber dann... hab ich sonst nichts, auf das ich stolz bin? Dann ging die Grübelei los. 
 
Von Hochmut bin ich weit entfernt. Ich bin ein sehr selbstreflektierter Mensch und weiß, wo meine Fehler und Schwächen liegen. Außerdem bin ich viel zu tollpatschig und verpeilt, um hochmütig zu sein :-D Aber ich bin manchmal echt stolz auf mich. Und jeder sollte auch (mal) stolz auf sich sein. Wobei es mir tatsächlich eher schwer fällt, auf mich selbst stolz zu sein. Auf andere bin ich ständig stolz...aber auf mich? Da musste ich echt gründlich nachdenken.
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Ich bin stolz, ...
 
...dass ich es nach 18 Jahren, in einer zuletzt sehr bedrückenden Beziehung, geschafft habe, mich zu trennen.
 
...dass ich trotz mehrfacher Versuche und Süßholzraspelei seinerseits, bei meinem Ex dieses Mal nicht wieder eingeknickt bin (wie die schon mehrfach zuvor). 
 
...dass ich es ohne aktives diäten geschafft habe, seit 2022 knapp 8 kg abzunehmen, ohne mich dabei einzuschränken und das (kulinarische) Leben trotzdem zu genießen.
 
...dass mein Bruder und meine Schwägerin, mich 2023 als Patentante für meine Nichte ausgewählt haben. Ich bin eine stolze (Paten-)Tante :-)
 
...dass ich mir im letzten Jahr einen jahrzehntealten Traum erfüllt habe, und mein erstes Tattoo habe machen lassen - und dann spontan noch zwei weitere. Ich hoffe, ich kann mir einen weiteren Traum erfüllen, sobald ich meine eigene Wohnung gefunden und eingerichtet habe. Bis dahin will ich mein Geld aber noch zusammenhalten.
 
...dass ich in den letzten gut 10 Jahren einen Freundeskreis aufgebaut habe, der mich mit all meinen Macken so akzeptiert wie ich bin. Auch wenn wir uns nicht regelmäßig sehen, haben wir doch alle täglich Kontakt zueinander.
 
...dass ich mich beim letzten Weihnachtsfest von anstrengenden Familienmitgliedern aktiv ferngehalten habe und eines der schönsten und entspanntesten Weihnachtsfeste überhaupt verbringen konnte. 
 
...dass ich nach der Trennung so schnell zu mir selbst zurück gefunden habe und endlich wieder mehr auf mich und meine Bedürfnisse achte.
 
...dass ich in den letzten Jahren immer mehr gelernt habe (und noch immer lerne), einfach ich selbst zu sein - egal was andere denken. Wenn das bedeutet, dass ich nie den passenden Deckel zu meinem Topf finde, dann sei es so. Aber ich will mich nicht mehr für andere verbiegen. 
 
...dass ich vor gut 19 Jahren den Schritt in die Fremde gewagt habe - weg von der Familie. Auch wenn ich anfangs viel Heimweh hatte und meine Leute manchmal immernoch sehr vermisse, bin ich doch die meiste Zeit froh über einen gewissen räumlichen Abstand zu all dem "Drama". Ich liebe meine Familie - kann sie aber nur in kleinen Dosen ertragen ;-)
 
...dass ich vor knapp 7 Jahren selbst erkannt habe, dass ich unter Depressionen litt und mich eigenständig auf den schwierigen und anstrengenden Weg zu einer Lösung begeben und schlussendlich die Pille abgesetzt habe. Denn die Pille war die Ursache für eine Hand voll Probleme, von denen ich lange nicht wusste, dass ich sie habe.
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Auf was seid ihr stolz? Fällt es euch leicht, stolz auf euch selbst zu sein? Ich bin ehrlich, bis ich diese paar Punkte zusammengetragen hatte, waren fast 6 Wochen intensiven nachdenkens vergangen. 
 
Ich bin sehr gespannt, auf was Heidi stolz ist. Zwei-drei Sachen bin ich mir sicher, die ich in ihrer Liste bereits kennen werde. Zumindest wäre ich an ihrer Stelle sehr stolz auf diese Dinge ;-) Und weil ich jetzt natürlich neugierig bin, gehe ich direkt mal bei ihr gucken. Kommt doch mit ⇒KLICK

Mittwoch, 9. Juli 2025

Ja, ich will… Nein, ich kann nicht mehr… - Ein Wochenende der Extreme

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Mein Bruder heiratete am ersten Wochenende im April. Genau am 6. Jahrestag sagten beide: "Ja, ich will."

Die Standesbeamtin hielt eine wunderbare Rede über gute und schlechte Zeiten, darüber ein Team zu werden/zu sein und als Familie zusammenzuwachsen und alle Herausforderungen gemeinsam als Team zu meistern, dabei aber die Zweisamkeit (ohne Kiddies) nicht aus den Augen zu verlieren.

Ich beobachtete die anderen verheirateten Paare. Alle glücklich und mit Kind(ern). 

Und ich? Zerrissen. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Nicht, dass ich jetzt plötzlich doch einen Kinderwunsch entwickelt hätte oder dringend auch heiraten wollte. So ist es absolut nicht.
 
Aber während mein Bruder und seine Frau den schönsten Tag ihres Lebens und ihr "neues Zusammensein" zelebrierten, habe ich mich so sehr für die beiden gefreut und war gleichzeitig aber auch sehr wütend und unendlich traurig. 

Warum? 
Weil ich beinahe die Hochzeit meines Bruders verpasst hätte! Weil ich auch gerne wieder Teil eines Teams wäre, statt zu zweit trotzdem auf mich allein gestellt zu sein.

Was war passiert? 
Wir fuhren entspannt am Freitagmorgen los, kamen widererwarten sehr gut durch und waren schon am frühen Nachmittag im Heimatkaff. Kaffee und Kuchen bei Papa, Besuch bei meiner Oma, gemütlicher Abend. Bett. Alles prima.

Die Trauung fand am Samstag um 11 Uhr statt. Wir ALLE wussten das. War ja kein Geheimnis. Ich war bereits um kurz vor 10 Uhr fertig und quasi abmarschbereit. Wir wollten um 10:40 Uhr los, Parkplatz finden und ab ins Rathaus. 

Schatz war um ca. 10 Uhr auch fast fertig. Er musste sich nur noch die guten Klamotten anziehen und die Zähne putzen. Eigentlich für die zwei Kleinigkeiten massig Zeit. Das wollte er machen, kurz bevor wir gehen wollten. Und ich sag noch zu ihm, das wäre unklug… weiß ich doch, dass es dann wieder stressig wird und wie schlecht er mit stressigen Situationen umgehen kann. 

War ihm scheinbar egal. Er wartete. Und wartete. Und bereitete sich auch sonst nicht vor. 

Um 10:35 Uhr fuhr mein Vater los, um Muttern abzuholen. Und Schatz saß immer noch da wie eine Statue. Ungeputzte Zähne, Jeans und Pulli. Und selbst als Papa schon weg war, rührte er sich erstmal nicht. Hallo?! Ich wurde nervös. Und das nicht nur, weil ich zu spät kommen hasse wie die Pest.

Irgendwann verschwand er im Bad. Ich holte in der Zeit schonmal unser Auto vom etwas entfernten Parkplatz. Ich war inzwischen gestresst, denn ich wusste, es würde verdammt knapp werden. Ich wurde wütend, als er sich in aller Seelenruhe bequemte sich umzuziehen. Nicht, dass er mal freiwillig einen Zahn zugelegt hätte. Nein! Auf Grund seiner Einschränkungen ist er ja im Bewegungsablauf auch nicht der Schnellste. Ich weiß das. Er weiß das. Und trotzdem... bloß keinen Stress...

Um 10:46 Uhr (!) rief mein Vater mich an! Alle wären schon da und würden nur auf uns warten. Schatz stand zu diesem Zeitpunkt in Socken und Unterhose vor dem Bett und friemelte in aller Seelenruhe den Gürtel durch die Anzughose. Sämtliche Knöpfe am noch nicht angezogenen Oberhemd offen (die mussten ja auch alle noch wieder zu!). Schuhe noch angezogen werden. Hinfahren. Parkplatz finden und ggf. noch ein Stück zum Rathaus laufen. Was war ich froh, dass ich in weiser Voraussicht, die Geschenke am Abend zuvor schon in den Kofferraum geladen hatte.

Als ich das Telefonat mit Papa beendet hatte, habe ich geschluckt, die Tränen weggeblinzelt, eine Entscheidung getroffen und den Mann angeblafft: „Ich komme wegen dir NICHT zu spät zur Hochzeit meines Bruders!“ … und dann hab ich ihn halb nackt stehen lassen, bin ins Auto gesprungen und mit 60 durch die 30er Zone gerast, um um 10:55 Uhr im Rathaus aufzuschlagen. Als Letzte! Fünf Minuten bevor es losging! Dabei hatte mein Bruder mir am Freitag noch eine Aufgabe während der Zeremonie anvertraut (die ich übrigens auch beinahe versaut hätte, weil ich wütend, gestresst und emotional etwas überfordert war).

Kurze Nachricht an den Mann, ich würde ihn in ca. 1 Stunde abholen FALLS er denn noch mit wollte. Denn die Rathaustür (da samstags eigentlich geschlossen ist) war zu. Er wäre eh nicht mehr reingekommen. Ich kam nur deshalb noch rein, weil der Trauzeuge so nett war, unten auf mich zu warten. Der Trausaal ist im 1. OG. Da hätte mich keiner bemerkt/gehört. Wäre ich noch später gewesen, hätte ich vor verschlossener Tür gestanden!
 
Und so hat mein Freund die Trauung meines Bruders verpasst, während ich wegen ihm beinahe auch zu spät gekommen wäre und alles verpasst hätte - obwohl ich mehr als rechtzeitig fertig war und er auch mehr als pünktlich hätte fertig sein können. 
 
Hätte...Wäre...Wenn... 

Die Frage kam bei mir auf: Wenn er eh keinen Bock drauf hatte, wieso ist er dann erst mitgefahren? Ich hatte es ihm freigestellt. Er hätte gar nicht mitkommen müssen, wenn er eh nicht gewollt hätte. Aber mitwollen und dann so ne Nummer abziehen? Geht. Gar. Nicht.

Nach dem Sektempfang, wo ich mich mit allen möglichen komischen Blicken und blöden Kommentaren konfrontiert sah - es wussten ja alle, dass ich nicht alleine angereist war! -, fuhr ich wieder nach Hause. Dort fand ich den inzwischen angezogenen und wütenden Mann vor. Das er jetzt sauer auf mich war, weil ich ihn einfach stehen gelassen hatte, machte mich wiederum richtig wütend.

Er wäre ja fast fertig gewesen. Wieso ich nicht gewartet hätte? Sein Ernst?! Und dann dieser Vorwurf: „Bei dir ist doch eh immer alles meine Schuld!“

Auf meine Frage, was ICH hätte anders machen müssen, damit ER rechtzeitig fertig gewesen wäre, bekam ich (natürlich) keine Antwort. Denn mehr als den chronischen Zu-Spät-Kommer rechtzeitig zu wecken, ihm zu sagen, dass es blöd ist, sich nicht schon mal im Bad fertig zu machen und/oder sich wenigstens schonmal umzuziehen, und ihn weiterhin zur Eile zu drängen (was er abgrundtief hasst), kann ich nicht! Hätte ich ihn ins Bad treten und zerren sollen? Hätte ich ihm das Hemd anziehen sollen, wie einem Kleinkind? Was?!

Er ist dann trotzdem mit ins Nachbardorf gekommen um bei der Feier wenigstens anwesend zu sein. Aber wir haben den restlichen Tag kaum 10 Sätze miteinander gesprochen. Immerhin hat er sich bei der Braut für sein Fehlen während der Trauung entschuldigt. Aber ich war mir immer noch nicht sicher, ob er überhaupt verstanden hat, wieso ich so wütend auf ihn war. Bei mir hat er sich jedenfalls an dem Tag nicht entschuldigt.

Die Hochzeit meines Bruders war der EINZIGE Grund, wieso wir einen Tag Urlaub aufgebraucht haben. Wieso ich mich in nur 3 Tagen für knapp 1.000 km auf die Autobahn gezwungen habe - denn ja, die jeweils 5 Stunden Fahrt (wenn es super läuft) sind inzwischen ziemlich anstrengend für mich (vor allem so kurz hintereinander) und er hat ja immer noch Fahrverbot. Der Einzige Grund, wieso wir überhaupt so kurz ins Sauerland gereist sind... und er wollte, dass ich auf ihn warte und den einzigen Grund für den Stress und den verbrauchten Urlaubstag verpasse? Weil er nicht in den Quark gekommen ist? Ich glaub mein Schwein pfeift!

Der Tag danach:
In der Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen. Kontraproduktiv, da ja am Sonntag schon wieder die gut 5-stündige Heimfahrt, mit voller Konzentration auf der Autobahn anstand. 

Morgens hat er sich halbherzig entschuldigt, als wäre dadurch alles wieder gut. Und er wollte reden. Ich nicht. Das hätte mich aufgewühlt. Und übernächtigt UND emotional wäre eine Katastrophe auf der Autofahrt vorprogrammiert gewesen. Also blockte ich aus Sicherheitsgründen sämtliche Kommunikationsversuche seinerseits ab. 

Die (sehr schweigsame) Rückfahrt klappte auch widererwarten problemlos. Aber ich war total am Arsch, als wir gegen 15:15 Uhr Zuhause eintrudelten. Ich hatte ihm am Vormittag gesagt, wir könnten drüber reden, wenn ich ausgeschlafen hätte und es mir wieder besser ging. Denn ich war nicht nur müde; mein Kopf dröhnte und ich war immer noch viel zu wütend.

Aber Zuhause konnte ich mich nur kurz mit duschen und Wäsche waschen „drücken“. Denn er drängte weiter auf das Gespräch.
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Also haben wir geredet. Und ICH habe die Beziehung beendet. Das hätte ich vielleicht schon vor Jahren tun sollen. Aber ich bin ein unverbesserlich loyaler Mensch und ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber alles so weiterlaufen lassen, geht nicht mehr. Ich kann und will es nicht mehr. Und es ist tragisch, dass ich so lange gebraucht habe, um zu dieser Selbsterkenntnis zu kommen. 

Denn Fakt ist: diese Beziehung war schon viel zu lange nur einseitig. Der Vorfall auf der Hochzeit meines Bruders war einfach nur der letzte Tropfen, den es gebraucht hat. Und Tropfen - Kleinigkeiten und größere Probleme - haben sich die letzten Jahre wirklich mehr als genug angesammelt und summiert. Ob ich mich jemals zum gesamten Ausmaß äußern werde, weiß ich nicht. Aber die Situation auf Bruderherz' Hochzeit, war einfach die eine (letzte) Sache, die das nur noch spärlich zusammengehalten Beziehungsgefüge hat kippen lassen.
 
Ich kann nicht immer nur geben ohne auch was zurück zu bekommen. Ich bin weder seine Mutter, noch seine Haushaltshilfe noch seine Sozialbetreuerin. Wie ein geschätzter Partner habe ich mich schon viel zu lange nicht mehr gefühlt. Ich war unglücklich und habe es mir viel zu lange nicht eingestanden. 

Er meint, er liebt mich noch. Ich glaube, es ist nur Gewohnheit und Bequemlichkeit. Denn Taten folgten den drei Worten schon lange nicht mehr. Und falls doch (meist nach einem Streit), sind es nur Eintagsfliegen. Sobald ich dann wieder "funktioniere", ist alles wieder beim Alten. Diese einseitige Beziehung hat mich inzwischen komplett ausgebrannt. Ich bin so müde. Ich bin es leid, um etwas zu kämpfen, was es so schon lage nicht mehr gegeben hat. Manche Wünsche gehen nicht in Erfüllung, egal wie sehr man sich bemüht.

Zwei Sätze die direkt nach dem Gespräch kamen, bestätigen meine Vermutung. Denn der erste war: „Und wie soll das jetzt deiner Meinung nach weitergehen? Heißt das, du kochst jetzt nicht mehr für mich?!“ DAS ist sein dringlichstes Problem nach der Trennung?

Der andere war: „Ich will nicht alleine sein!“

Wer will das schon? Aber nur um nicht alleine zu sein einfach so weitermachen? Kann ich nicht. Will ich auch nicht. Und es tut mir trotzdem im Herzen weh. Ich bin chronisch müde. Ich brauche eine Pause von diesem ständig nehmenden und fordernden Mann, der weder emotional noch mit tatsächlicher Hilfe etwas zurück gibt und zu viel Zeit in seiner eigenen Bubble verbringt.

Er wollte, das ich ihm noch eine Chance gebe. Aber da habe ich ihm im Laufe der vergangenen Jahre schon so viele gegeben. Genutzt hat er keine einzige. Mein Limit ist auch hier erreicht, denn es gab keine dauerhaften Verbesserungen an der Situation als solche. Nie. Denn an diesem Punkt waren wir in all den Jahren ja schon öfters als mir lieb ist. Es ist fast peinlich, wie oft ich wieder eingeknickt bin. Aber wenn sich bisher nie was geändert hat, wird es das auch jetzt nicht tun.

Ich hab mich immer darüber aufgeregt, dass Frauen ihre schlagenden Männer nicht verlassen...ich glaube, ich bin nicht besser. Nur das meiner mich nie geschlagen hat.

Was mich auch etwas geschockt und gleichzeitig in meiner Entscheidung bestärkt hat war seine Aussage, dass er schon länger gemerkt hätte, dass die Beziehung den Bach runtergeht. Aber den Arsch hochbekommen und aktiv geworden, hat/ist er von sich aus auch nicht. Scheint ihm also nicht wirklich wichtig gewesen zu sein, solange ich noch als „Partnerin“ funktioniert habe. 

Jetzt, wo ich als Partnerin plötzlich nicht mehr „funktionstüchtig“ bin, tut ihm alles Leid und er gelobt Besserung. Will noch eine Chance. Wie schon unzählige Male in den letzten 18 Jahren. Er akzeptiert meine Entscheidung der Trennung nicht wirklich.
 
Zu wenig. Zu spät. Und außerdem: Das hatten wir ja alles schon zig Mal. Und geändert hat sich, wie schon gesagt, trotzdem nichts.
 
Er fragte: „Willst du 18 Jahre denn einfach so wegwerfen?“. Nein. Nicht einfach. Und schon gar nicht einfach so. Ich habe mir da, ehrlich gesagt, in den letzten 12 Monaten regelmäßig Gedanken zu gemacht. Jedes Mal, wenn ich wieder gestresst nach Hause kam, nichts von den versprochenen Dingen erledigt wurde und er entspannt auf der Couch lag während ich bis zum Umfallen rotiert habe. 
 
Jedes Mal, wenn ich völlig müde und erschöpft einfach nur meine Ruhe haben wollte und er wieder irgendwas von mir brauchte, was nicht warten konnte und was er nichtmal versucht hat, selbst zu regeln.

Jedes Mal wenn wir uns gestritten haben, und er mir Vorwürfe machte, ich würde die Schuld nur bei ihm suchen, statt mir zu sagen, was ich seiner Meinung nach selbst besser/anders machen müsste/könnte. Denn da kam nie was. Alles was er an Änderungswünschen vorbrachte, wäre für mich in noch mehr Arbeit und Stress ausgeartet, als ich es eh schon hatte. Hilfe bot er hingegen so gut wie keine an. Und wenn ich seine Hilfe aktiv einforderte, dann lief das mal 1-2 Wochen. Und wenn ich mich „beruhigt“ hatte, war alles wieder wie vorher. 
 
Das ist unter anderem ein Grund, wieso ich dieses Mal nicht einknicke. Er bekommt nicht noch eine Chance. Denn die hatte er in den letzten Jahren mehr, als ihm irgendwer sonst gegeben hätte. Genutzt hat er keine einzige. Geändert hat sich gar nichts. Ich habe kein Interesse daran, alles einfach bis zum Sankt Nimmerleinstag so weiterlaufen zu lassen, nur damit ich mich irgendwann mit Burnout irgendwo stationär einweisen lassen muss.
 
Am Montagmorgen, nach dem Gespräch - nach meiner verkündeten Trennung - kam er an und meinte, das wäre am Sonntag ein richtig mieser Zeitpunkt für das Gespräch gewesen, denn er hätte schlecht geschlafen und müsste jetzt arbeiten. Hallo? Er hat doch drauf gedrängt das wir das noch am Sonntagabend bereden. Und ich hatte auch schlecht geschlafen und musste arbeiten. Für so ein Gespräch gibt es NIE einen "guten Zeitpunkt". Aber wie üblich drehte sich wieder alles nur um ihn und seine Bedürfnisse.
 
Und dann wünschte er immer noch eine weitere Chance. Und er wollte, dass ICH mir überlege, was WIR noch versuchen könnten, um die Beziehung zu retten. Versteht ihr was ich meine? ER will die Beziehung retten und ICH soll mir was überlegen. Er bleibt weiterhin passiv!
 
ICH soll IHM nen Schubs geben, wenn er mal wieder in Faulheit abdriftet oder Versprechen nicht einhält. Was mache ich denn schon seit 18 Jahren?! Vielleicht kommt mein Tennisarm ja gar nicht vom streichen der Küche, sondern weil ich dem Mann seit 18 Jahren immer wieder einen Schubs gebe. 
 
Wenn er sich alleine nicht klar darüber wird, was falsch läuft, dann weiß ich nicht. Wenn er nicht von selbst drauf kommt, wird er nie was ändern, einfach weil es in seinem Kopf nicht wirklich ankommt. Ich bin keine Sozialbetreuerin, keine Hauhälterin. Ich wollte einen Partner und keinen "Angestellten", dem man alles immer wieder erklären und beauftragen muss. Und ich will auch keine Angestellte sein, die den Haushalt (fast) alleine schmeißt, während der werte Herr auf der Couch lümmelt und sich beschwert, wieso ich mein Essen hinstelle und er sich seins selbst aus der Küche holen muss (ist tatsächlich schon öfters vorgekommen).

Seiner Familie will er die "Neuigkeiten" auch immer noch nicht wirklich sagen. Vielleicht ist es ihm peinlich, dass (seine Worte) diese Beziehung quasi genauso geendet ist, wie die vorherige - nur dass ich ein bisschen länger durchgehalten habe, als meine Vorgängerin.
 
Ich mag ihn immer noch sehr. Er ist mein bester Freund. Aber mehr nicht (mehr). Da ist keine (romantische) Liebe mehr übrig. Zumindest nicht so. Nicht von meiner Seite. Ich bin emotional kaputt und ausgelaugt. Es ist Zeit, mich mal um mich selbst zu kümmern und nicht immer nur um ihn. Wobei er immer noch hofft, wenn er sich jetzt ganz doll Mühe gibt, liebe ich ihn in bald auch wieder. Und ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll.

Die Zukunft?
Wir bleiben (vorerst) zusammen wohnen. Notgedrungen. Der „Notfallplan“, den wir vor 18 Jahren beschlossen haben, ist direkt in Kraft getreten. „Und wenn es mit uns nicht klappt, machen wir einfach eine WG auf.“. Denn freundschaftlich verstehen wir uns nach wie vor sehr gut. Vielleicht war das Teil meines Problems, das ich die Schieflage der Beziehung nicht rechtzeitig erkannt habe. Ich weiß es nicht. 

Außerdem bleibt die Tatsache: Bei den horrenden Mietpreisen in Freiburg und Umgebung können wir uns kaum jeder eine eigene Wohnung leisten, selbst wenn wir in absehbarer Zeit, jeder eine finden würden. Aber selbst dieser Gedanke ist in der aktuellen Wohnungslage in der Stadt und im Umkreis eher utopisch. Aber man weiß ja nie.

Da wir beide keinerlei WG Erfahrung haben, werden wir das weiterhin austüfteln und uns anpassen müssen. Ich denke, das kann klappen - wenn er mitzieht. Denn wir teilen ja eh schon so ziemlich alles auf. Irgendwie. Allerdings werde ich ihn nicht weiter nebenher mitfinanzieren. Ich bin gespannt, wie sich das auswirken wird. Denn so wirklich habe ich tatsächlich keine Ahnung, wieviel von meinem Geld nebenher und unbemerkt für ihn draufgeht. Das hat mich ehrlich gesagt bisher auch nie wirklich interessiert - nicht, solange wir als Paar zusammen waren. Ich werde also so eine Art Haushaltsbuch anfangen.

Da wir für die Mai-Baustelle eh Möbel rücken mussten, haben wir das genutzt, um direkt auch klarere, getrennte Strukturen in die Wohnung zu bekommen. Das hatten wir eh vor, da wir ja auch schon gute zwei Jahre getrennt schlafen (wegen unserer unterschiedlichen Schlafrhythmen und seinem Geschnarche). Jetzt wurde das Ganze nur etwas beschleunigt und „getrennter“ als ursprünglich gedacht. 

Dass ich einen Tag vor unserem 18. Jahrestag einen Schlussstrich gezogen habe, war Zufall und keine (böse) Absicht. Schon ironisch, dass ich quasi am Jahrestag eine Beziehung beende, während mein Bruder am Jahrestag die Ehe eingeht.

An unser neues Single-Dasein werden wir uns wohl auch gewöhnen müssen. Immerhin waren wir 18 Jahre als Paar zusammen. Wobei er die Trennung immer noch nicht wirklich zu akzeptieren scheint, während ich mit dem Thema relativ schnell abgeschlossen und meinen Frieden gemacht habe. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich schon so lange darüber nachgedacht habe. Ich habe sogar schon einen Online-Beitrag über "Stille Trennungen" gelesen... und tatsächlich traf davon sehr vieles auf UNS BEIDE zu.

Wenn er dazu bereit ist, die Freundschaft weiter zu pflegen, dann ist mir das Recht. Aber von meiner Seite aus, ist das Thema Beziehung mit ihm tatsächlich vom Tisch. Und ja, obwohl es meine Entscheidung war und ich sehr mit mir gerungen habe, bin ich darüber dennoch traurig. So hatte ich mir/uns das nicht gewünscht. Aber ich weiß, wenn ich so weiter mache, werde ich es noch mehr bereuen, nicht vorher einen Schlussstrich gezogen zu haben. Er muss es jetzt nur noch selbst in seinen Kopf bekommen, und das alles akzeptieren. Und das wird dauern - dazu kenne ich ihn zu gut.

Und selbstverständlich gehören zu einer Beziehung und zu deren Scheitern immer zwei Menschen. Aber wenn ich nie ein produktives Feedback bekomme, selbst wenn ich frage; wenn er mir nie sagt, was er will und sich wünscht... wie soll ich denn was ändern, wenn ich nichtmal weiß was? Denn alles was er immer nur wollte, war, wieder regelmäßig wandern zu gehen. Als wenn das wie durch Zauberhand alle Probleme lösen würde. Und ich bin tatsächlich im Moment viel zu müde und ausgelaugt, um überhaupt ans wandern zu denken.
 
Denn es geht ja nicht ums Wandern alleine - mal ganz abgesehen davon, dass es nicht sein erhofftes Wundermittel sein kann und er gesundheitlich dazu aktuell auch gar nicht wirklich in der Lage wäre - ich sag nur Arthrose im Fuß. Davor oder danach muss ja trotzdem noch Haushalt gemacht werden (die Zeit, wo wir wandern, fehlt dafür dann wieder). Und nach dem Wandern haben wir Hunger. Also muss Essen auf dem Tisch. Wer steht in der Küche und kocht und räumt nachher wieder alles auf? ICH! Und das obwohl ich dann auch kaputt und hundemüde bin. Und er? Pennt für gewöhnlich auf der Couch ein, sobald wir Zuhause ankommen, während ich noch arbeite, statt mich auch auszuruhen. Und das versteht er alles nicht.
 
Die letzten Jahre war wandern für mich nicht wirklich erholsam und entspannend, da ich - ohne Rückendeckung - immer nur an die noch anstehende Arbeit gedacht habe, die ich in viel kürzerer Zeit alleine erledigen musste. Während der werte Herr dann völlig kaputt und total entspannt ins Land der Träume abgedriftet ist, statt die Hinterbacken zusammen zu kneifen und mal was zu helfen.
Lizenzfreies Bild von Pixabay
Zumindest versuchen wir aktuell auszutüfteln, ob wir als WG und Freunde funktionieren können oder ob es besser ist, wenn ich - FALLS ich eine bezahlbare Wohnung im Raum Freiburg finden kann - nicht doch über kurz oder lang besser ausziehe. Zumindest ER wird sich um das Stämmen der Miete keine sooo großen Gedanken mehr machen müssen wie ich, da er seit Mai eine Art Rentenzuschuss (keine Ahnung wie das korrekt heißt) bekommt, mit dem er meinen Mietanteil locker bewältigen kann. Es bliebe davon sogar noch ein kleines Bisschen übrig. Ich könnte zur Not wohl Wohngeld beantragen, wenn ich meine eigenen 4 Wände beziehen müsste. Aber wie es hier jetzt weiter geht, wird sich in den nächsten Wochen/Monaten noch zeigen müssen. 

Denn falls wir als WG zusammen wohnen bleiben, muss er ja trotzdem mal den Arsch hoch bekommen. Ich erwate von einem Mitbewohner ja auch ein Mindestmaß an Sauberkeit und Einsatz - zumindest in den drei gemeinschaftlich genutzten Räumen (Küche, Bad und Wohnzimmer).

 
Edit: 
Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diesen Post hochlade (habt ihr sicher am zeitlichen Abstand gemerkt). Den ersten Teil habe ich in der schlaflosen Nacht nach DEM Gespräch schon geschrieben. Am Ende habe ich beschlossen: Wieso nicht? So ist es nunmal. Es ist Tatsache. Es tut immer noch etwas weh, wenn ich dran denke - auch jetzt nach drei Monaten. Aber Grundsätzlich, geht es mir sehr gut.
 
Seine Familie weiß es immer noch nicht. Meiner werde ich es - von Angesicht zu Angesicht - sagen, wenn ich im August (oder September?) wieder ein paar Tage hochfahre. Und ich habe beschlossen, alleine zu fahren und ihn nicht als "BFF" mitzunehmen. Das ist nämlich auch so ein Thema, was mir die letzten Jahre übel aufgestoßen ist und weswegen wir viel gestritten haben. Er hat mir die wenige Zeit, die ich im Jahr mit meiner Familie verbringen kann, in den letzten Jahren JEDES MAL irgendwie versaut, weil ihm irgendwas quer gegangen ist und er dann bockig wurde, wie ein kleines Kind. Und auch darauf, habe ich keine Lust mehr. Ich sehe meine Familie nur selten, und die Zeit will ich genießen - ohne mich von ihm und seinen Launen runterziehen zu lassen. Außerdem ist auch immer noch unklar, wann ich genau Urlaub machen kann (siehe Post für die KW 26).
 
Allein die Trennung "laut auszusprechen" hat bei mir emotional schon einiges bewirkt. Ich konnte mich gedanklich mehr lösen. Seine Launen gehen mir definitv inzwischen mehr am Allerwertesten vorbei. Ich fühle mich nicht mehr so verantwortlich, wie für einen "Partner". Ich nehme mir bewusst mehr Zeit für mich - das kann aber noch besser werden. Achzehn Jahre bedürfen auch bei mir einer langesamen Umgewöhnung. Aber es wird. Zumindest bei mir/für mich. Die paar Tage alleine bei meiner Familie/mit alten Freunden, werden mir definitiv gut tun. Je nachdem wann ich dann im Herbst Urlaub mache, fahre ich vielleicht nochmal für ein paar Tage alleine weg (und nicht zur Sippe). Me Time. Mir klar werden, wie es weitergeht. Feststellen, was ich will - von mir selbst und der Zukunft. Und er? Braucht die Zeit ohne mich definitiv auch. Denn er muss dringend lernen, wieder mehr Eigenverantwortung zu übernehmen!
 
Nebenher: Augen offen halten, ob sich am Wohnungsmarkt nicht doch ein kleines Wunder auftut. Im Moment funktioniert die WG größtenteils. So langsam akzeptiert er, dass von mir nicht mehr als Freundschaft zu erwarten ist. Aber wie lange? Spätestens wenn einer von uns wieder das Bedürfnis hat, sich ins Dating zu stürzen, wird es schwierig. Aktuell hab ich allerdings von Männern die Nase voll. Klar, unverhofft kommt oft. Aber ich will erstmal wieder zu mir selbst finden. Das habe ich in den letzten knapp zwei Jahrzehnten wirklich aus den Augen verloren. Und ich kann gut alleine sein. Ich bin introvertiert und brauche nicht alle Nase lang Leute um mich rum. Alleine sein macht mir keine Angst. Ich schaue positiv nach vorne - alles wird sich irgendwie schon ergeben. Das tut es doch immer. Ich finde meinen Weg. Das habe ich auch immer. Manchmal dauert es halt länger. Denn ja, ich bin ein Overthinker - zumindest wenn es um so wichtige Entscheidungen geht. Aber ich fühle mich jetzt schon deutlich freier, als von vor ein paar Monaten. ZEIT! Und die nehme ich mir :-) Macht euch also keine Sorgen. Es geht mir gut :-D

Freitag, 7. Februar 2025

Ich packe meinen Koffer...

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...und nehme mit...

Das Spiel kennt sicher noch jeder :-) Unter diesem Thema wollten Heidi und ich uns was einfallen lassen. Alles darf. Nichts muss. Also, worüber will ich schreiben?
Ende Dezember 2024 im Sauerland
Das Thema Reisen kommt natürlich als erstes in den Sinn. Denn wofür packt man sonst seine Koffer? Meine letzte kleine Reise war über Weihnachten ins Sauerland.
Ende Dezember 2024 im Sauerland
Die letzte große Reise liegt schon über ein Jahr zurück: Paris. Ist das wirklich schon so lange wieder her? Es kommt mir vor, als wäre das erst ein paar Wochen her.
Mitte Oktober 2023 in Paris
Eine weitere kleine Reise steht in Kürze an ;-) Wohin? Verrate ich noch nicht. Aber es ist wirklich nur ein Kurztrip. Trotzdem freue ich mich schon total drauf.
 
❓

Man packt auch seine Koffer, wenn man umzieht. Mein letzter Umzug war von meiner Wohnung ein paar Straßen weiter in die neue gemeinsame Wohnung von Schatz und mir. Das ist nun auch schon wieder 18 Jahre her! Irre, wie die Zeit vergeht.

Bevor wir zusammen gezogen sind, war DER Umzug. Hinaus aus der elterlichen Wohnung im Sauerland in die eigene Wohnung im fast 500 km entfernten Freiburg. Vom Land in die Stadt, von der Mitte in den Süden, neues Bundesland, neue Leute, neue Sprache/Dialekt, Unabhängigkeit, Eigenverantwortung, für sich alleine sorgen und irgendwie auch eine neue Kultur. Denn, seien wir ehrlich: Die Lebensart hier unten in Süddeutschland ist doch um einiges anders, als im heimischen Sauerland ;-)

Bereut habe ich den Schritt bis heute nicht. Obwohl ich in den ersten 3 Monaten wirklich viel Heimweh hatte. Ich fühle mich wohl hier. Angekommen. Und freue mich trotzdem jedes Mal auch wieder auf "Zuhause" :-)
 
Koffer packen für meine Absolute Traumreise? Definitiv! Das wäre was. Ich habe so viele Reiseziele auf meiner Liste. Aber zwei absolute Traumziele wären Schottland und Australien (um Aussie-Girl mal zu besuchen).
Der Uluru (ehem. Ayers Rock) in Australien (Bild aufgenommen von Aussie-Girl)
Wahrscheinlich komme ich eher mal nach Schottland als nach Down Under. Denn ich hasse fliegen! Ich bin in meinem Leben zweimal geflogen und beide Male fand ich schrecklich.
Mein erster Flug im Dezember 2007: Basel-Berlin (Betriebsausflug)
Der Kontrollfreak in mir konnte es absolut nicht ausstehen, dass ich in diese metallische Zigarre mit einem Haufen Fremder Leute eingepfercht bin und den Naturgesetzen (wie bleibt das Ding überhaupt oben bei dem Gewicht?!) und dem Können eines mir unbekannten Piloten quasi ausgeliefert bin. Diesen Zustand einmal um die Welt bis in die südliche Hemisphäre zu ertragen klingt aktuell immer noch nach Wunschdenken und Utopie.
Mein zweiter Flug im August 2014: Basel-Palma de Mallorca (Sommerurlaub)
Tatsächlich steht ein gepackter Koffer unten im Keller :-D Inhalt: Klamotten. In meiner Jahrzehnte langen Abnehm-Story sind ein Haufen Klamotten angefallen, in die ich mal rein passte, mal nicht. Immer wenn sie (wieder) zu klein geworden waren, landeten sie im Keller. Denn zum Wegwerfen waren sie zu schade. Und wenn ich (hoffentlich) irgendwann mal wieder eine Größe kleiner brauche, muss ich nicht meine komplette Garderobe neu kaufen, sondern kann einfach den fertigen Koffer aus dem Keller hoch holen :-D Das ist fast wie Second Hand shoppen! Denn ich habe aktuell gar keine Ahnung, wie die neue Garderobe aussehen würde. Kann mich nicht erinnern, was inzwischen alles eingekoffert wurde :-D
 
Man könnte auch mental einen Koffer packen. Seinen ganzen seelischen Ballast hinein schmeißen, Koffer zu und weg damit. Wäre das nicht toll?
 
Was würde ich in so einen Koffer hinein tun? Unsicherheiten und Selbstzweifel definitiv. Davon habe ich immer noch mehr als mir lieb sind. Das ist im Alter tatsächlich besser geworden, aber so ganz weg, sind sie nicht. Ich würde etwas von meiner Introvertiertheit in diesen Koffer werfen. Nicht alles. Eigentlich mag ich mich so, wie ich bin. Aber genug, damit ich schneller mit Menschen in Kontakt komme und schneller "warm werde".
Lizensfreies Bild von Pixaby
Das ist komischerweise online absolut kein Problem. Aber von Angesicht zu Angesicht schon. Ich brauche nicht viele Menschen in meinem Leben und kann auch sehr gut für mich alleine sein. Aber diejenigen die drin sind, sind weise gewählt und daher auch wichtige Ankerpunkte. Aber ab und an sind neue Kontakte einfach schön und bringen auch Abwechslung in den Alltag.
 
Was wüdest du in so einen mentalen/seelischen Koffer packen?

In den letzten zwei Jahren gab es doch so einige Sterbefälle in meinem Umfeld. Das ist auch wie eine Art Koffer packen. Der/Die Verstorbene geht quasi auf seine letzte Reise - ganz ohne Koffer, wenn man so will. Dafür packen die Hinterbliebenen Koffer. Nicht nur im physischen Sinne, weil ja meist in so einem Fall "die Reste" eines ganzen Lebens aufgelöst und weggeschafft werden müssen.
Lizenzfreies Bild von Pixaby
Sondern auch metaphorisch, weil die Erinnerungen an einen geliebten Menschen gedanklich in einen Koffer gepackt werden können, um sie gut zu verwahren und immer dabei zu haben. In meinem Koffer sind Gedanken und Erinnerungen an meine Freundin Anette und an meine Großeltern. Und seit kurzem auch ein paar von Schatz' Cousin F. Weit unten in diesem Koffer sind Erinnerungen an meine Uroma und den Bruder meines Opas, bei dem wir als Kinder auch regelmäßig waren. An Haustiere und einen verunfallten Klassenkameraden, der auch viel zu früh gehen musste.

Mein Cousin M packt gerade auch seine Koffer. Er ist vom heimischen Sauerland vor Jahren nach Bayern gezogen. Ähnlich wie ich von der Mitte in den Süden. Nun packt er erneut, um der Liebe ans andere Ende der Welt zu folgen. Im April wandert er nach Taiwan aus. Das habe ich erfahren, als ich ihn Weihnachten getroffen habe. Es war komisch, sich zu verabschieden mit dem Gedanken, dass man sich so schnell nicht wieder über den Weg läuft. Wir hatten beide Pipi in den Augen.
 
Schon witzig. Am Anfang wusste ich überhaupt gar nicht, was ich zu diesem Thema schreiben sollte/wollte. Und als ich dann einmal angefangen hatte, konnte ich gar nicht mehr aufhören.

Ich bin mehr als Neugierig, was sich die liebe Heidi zu diesem Thema hat einfallen lassen. Ich hab keine Ahnung und muss unbedint nachgucken, denn das interessiert mich wirklich :-) Ihr wollt mit? Alles klar: HIER GEHT'S LANG!

Dienstag, 20. Dezember 2022

Teure Kochboxen? - Na, mal sehen...

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"Hallo liebe Nicky,

von dem Schnee- und Eischaos bei Dir in Freiburg wurde sogar bis hierher berichtet. Nun muss ich doch mal fragen, warum Du die teuren Kochboxen kaufst. Das kann man doch auch ganz einfach selber besorgen. Ich war auch 40 Jahre Vollzeit berufstätig und hätte niemals auf sowas zurückgegriffen. Das gibt es doch alles im Supermarkt und ist auch schnell gekocht.

Liebe Grüße
Burgi"
 
 
Diesen Kommentar hinterließ mir die liebe Burgi unter meinem letzten Alltagspost :-) Vielen lieben Dank. Ich freue mich wirklich immer über Kommentare. Und ich habe dir auch schon geantwortet, dass ich diese Kochboxen nicht übertrieben teuer finde. 

Aber habe ich damit auch recht? Das hat mich tatsächlich eine ganze Weile umgetrieben. Also habe ich mir mal spaßenshalber eines der Gerichte aus der letzten Kochbox rausgesucht, bin in den Supermarkt meines Vertrauens spaziert und habe dort nach den einzelnen Zutaten und ihren Preisen geschaut.
 
Gewählt habe ich die vegetarischen Tacos, die es letzte Woche gab. Einfach, weil sie mir als erste angezeigt wurden - ohne besonderen Grund.
Hier werden auch schön die Zutaten aufgelistet, die man für dieses eine Gericht (für 2 Personen) benötigt.

In diesem Supermarkt hätte ich tatsächlich alles für dieses eine Rezept bekommen. Sicherlich hätten sich auch noch ein paar Cent einsparen lassen, wenn ich einen Teil der benötigten Dinge im Discounter erworben hätte. Da bekomme ich allerdings nicht alles und es hätte mich wieder mehr Zeit - und Benzin - gekostet, einen zweiten Markt anzufahren. Diese Rechung ist daher in meinen Augen eher müßig ;-) 
Aber was kostet denn jetzt so eine Kochbox? Nun die Box, die ich letzte Woche bestellte, kostete mich insgesamt Rund 70 EUR. Für 6 Tage Essen für 2 Personen finde ich das völlig okay. Aber wieviel kostet mich DIESES Essen - die Tacos -, wenn ich dafür selbst einkaufen gehe? Ab in den Supermarkt...
1 kg von den Peperonis (auch wenn Chili im Rezept steht, geliefert wird immer Peperoni!) kostet 13,99 EUR. Eine Test-Schote wog 17 g. Macht 0,24 EUR für eine Peperoni. Ich hab auch die Peperoni aus der Box komplett ins Essen gehauen - nur so am Rande ;-)
Von den losen Zwiebeln (hier die gelben) kostet ein Kilo nur 1,49 EUR. Zwei von den Zwiebeln wogen etwa 160 g was einen Preis von 0,24 EUR ergibt.
Gurken hätte ich an dem Tag, in diesem Supermarkt, sogar im Angebot ergattert. Eine Gurke schlägt in diesem Fall mit 1,09 EUR zu Buche.
Beim Grillkäse wird es dann schon etwas "teurer". Das ist der einzige Grillkäse den ich gefunden habe. Wenn ich selbst eingekauft hätte, hätte ich den definitiv auch genommen. Macht für 180 g Grillkäse satte 2,99 EUR - und ich hab sogar 20 g weniger als im Rezept steht!
Beim Knoblauch war es etwas tricky. Eine Knolle kostet hier 1,19 EUR. Ich benötige aber nur eine Zehe. Durchschnittlich hat eine Knolle 10-12 Zehen. Ich hab jetzt - der Einfachheit halber - mit 10 Zehen gerechnet. Das macht etwa 0,12 EUR für eine Knoblauchzehe.
Bei der Mayo kosten 100 ml 1,59 EUR. Meine benötigten 34 ml liegen damit bei 0,54 EUR. 
Die nächste "teure" Zutat sind die Tortillas. Ich brauche 8 Stück und hab sogar die in der richtigen Größe gefunden. Inhalt der Packung sind tatsächlich auch die benötigten 8 Tortillas. Macht 3,79 EUR.
Eine (Bio) Zitrone kostet 0,99 EUR. Ich brauche eine halbe Zitrone und die kostet mich 0,50 EUR.
Zum Schluss noch der Rucola. Den gibt es in 125 g Packungen für 1,19 EUR. Für meine benötigten 50 g fallen also 0,50 EUR an und ich muss mir überlegen, was ich mit den restlichen 75 g Salat mache, die übrig bleiben.
 
Öl und Gewürze habe ich außen vor gelassen. Gewürze und Öl hat jeder daheim und die werden auch nicht mitgeliefert - außer es sind "spezielle" Gewürze und Öle. In diesem Fall alles Standard und daher nicht geliefert.

Wenn ich jetzt alle Zutaten zusammenrechne, komme ich also für DIESES Essen (á 2 Portionen) auf 10,01 EUR für die selbstgekauften Zutaten. Plus die benötigte Zeit für den Einkauf und das verfahrene Benzin.

Macht genau 5 EUR pro Portion für das selbstgekaufte Zeug (ohne Zeit und Benzin). Bei der Kochbox waren es 5,34 EUR pro Portion (ohne Versand).

Sicherlich sind da vielleicht auch mal Gerichte dabei, wo ich die Zutaten günstiger bekommen würde als in diesem Beispiel. Aber dafür sind andere vielleicht wieder etwas teurer. Im Großen und Ganzen wird es sich ausgleichen. Die gelieferte Qualität war bisher immer top. Es wird auch viel Bio geliefert. Gerade bei Fisch und Fleisch.
 
Also, die paar Cent oder der eine Euro mehr, dafür dass ich Zeit für den Einkauf spare, die ich dann für mich nutzen kann - diesen "Luxus" werde ich mir auch weiterhin gelegentlich gönnen. Ist ja nicht so, dass ich diese Boxen jede Woche kaufe. Aber so 2-4 mal im Jahr finde ich das völlig okay :-)

Fazit: Zumindest bei diesem Anbieter ist die Kochbox nur unwesentlich teurer, als wenn ich selbst einkaufen gehe.

Freitag, 28. Mai 2021

Küss mir die Kimme, Corona! - Vol. 2

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Am 26. März 2021 bekam ich meine erste Impfung gegen Covid-19 im Impfzentrum Freiburg. Ich bekam, nach einem nervenaufreibenden Hin und Her, den Impfstoff von AstraZeneca.Kurz vor meinem Impftermin gab es ja den Impfstopp für dieses Vakzin, wegen vermehrt aufgetretener Hirnvenenthrombosen bei jungen Frauen.
 
Ich hab mich trotzdem drauf gefreut, auch wenn der Impfstoff damals - und auch heute noch - so furchtbar schlecht geredet wurde und wird und in den Medien quasi als minderwertig dargestellt wurde und wird. Was er keinesfalls ist!

Die erste Impfung hatte ich super vertragen und nur ganz leichte Impfreaktionen, die nach 24 Stunden so gut wie weg waren. Nachdem ich vermehrt die Nachrichten verfolgt hatte, kam mir der Gedanke, dass es doch sicherlich einen Zusammenhang mit diesen Hirnthrombosen und der Einnahme von Hormonen (Pille oder Mittelchen bei der Menopause) geben könnte - die ja auch bekannt dafür sind, Thrombosen auszulösen. Denn immerhin waren fast ausschließlich Frauen betroffen, die in diese Altersgruppe fallen und entweder das eine oder andere Hormönchen einnehmen könnten.

Nach einem weiteren Hin und Her wurde schließlich der Impfstoff von AstraZeneca nur noch für die Ü60 Fraktion freigegeben. Die Jüngeren sollten nun doch bevorzugt Biontech oder Moderna geimpft bekommen. Das fand ich so ganz grundsätzlich erstmal blöd. Denn Biontech und Moderna (mRNA) sind ja ganz andere Impfstofftypen als AstraZeneca (Vektorimpfstoff). Vermischen wollte ich die jetzt nicht unbedingt. Das hatte so einen "Versuchskaninchen-Beigeschmack". Aber noch war ja Zeit bis zum zweiten Impftermin. Dieser war mir bei der Buchung des ersten Termins direkt mitgebucht worden. Und zwar am Freitag, den 28. Mai um 15:15 Uhr. Ich hatte mir extra einen halben Tag Urlaub genommen.

Am 22. April lag nun ein Brief vom Impfzentrum im Briefkasten. Hierin wurde ich informiert, dass ich auf Grund meines Alters und der Empfehlung der STIKO automatisch auf einen der beiden mRNA Impfstoffe (Biontech oder Moderna) umgebucht wurde. Und zwar erst Mitte Juni! Irgendwann kurz vor Mittag. Wenn ich das nicht wolle, stünde es mir frei, auch mit AstraZeneca meine Zweitimpfung zu erhalten. Dann müsse ich mich aber selbst um die Umbuchung des Termins kümmern. Ein Link und ein Identifikationscode lagen dem Schreiben bei.
Da ich den Brief ja erst Abends gelesen hatte, habe ich am nächsten Morgen direkt versucht, meinen Hausarzt zu kontaktieren. Der war mit einer der ersten in Freiburg, die gegen Corona geimpft haben (als Freiwilliger in den mobilen Impf-Teams). Außerdem ist er sehr informiert, bildet Ärzte-Nachwuchs aus und ist sehr up to date.

Gegen 9 Uhr bekam ich den Doc ans Telefon. Ich erklärte ihm die Situation und dann war seine allererste Frage tatsächlich, ob ich gerade die Pille oder irgendwelche anderen Hormone nehmen würde. AHA! So ein bisschen sah ich mich nun in meiner Vermutung bestätigt, dass die Einnahme der Pille/Hormone evtl. doch mit diesen Hirnvenenthrombosen zusammenhängen könnten.

Kurzum: Da ich seit 2 Jahren "hormonfrei" lebe und auch sonst noch nie Probleme mit einer Thrombose oder Krampfadern hatte, und da ich die erste Impfung so super vertragen habe, sah er absolut kein Problem darin, auch beim zweiten Mal AstraZeneca zu wählen. Ganz im Gegenteil. Er ist kein Freund davon, Impfstoffe zu vermischen. Das mache man in der Praxis zwar ab und an, aber nur, wenn es wirklich gar nicht anders ginge, weil man beim ersten Mal z. B. allergisch reagiert hat oder ähnliches.

Das Gespräch dauerte kaum 10 Minuten. Ich hatte noch nicht ganz aufgelegt, da hatte ich schon den Link im Browser eingegeben, um mir einen neuen Termin mit AstraZeneca zu buchen. Ich musste wieder meine Daten angeben. Verifizieren musste ich mich mit dem mitgelieferten Code.

Hocherfreut stellte ich fest, dass mir auch Termine 2 Wochen vor dem ursprünglich geplanten Termin angeboten wurden :-D Ärgerlich war jedoch, dass bei der Auswahl eines der früheren Termine ständig eine Fehlermeldung kam. Wohl dem, der lesen kann! Im Kleingedruckten stand nämlich, dass aus logistischen und "Sicherheitsgründen" nur ein Termin AM TAG VOR DEM URSPRÜNGLICH geplaten Datum gebucht werden kann. Schade. Aber, nun gut. Dann halt am 27. Mai. Uhrzeiten über den ganzen Tag verteilt standen zur Auswahl. Natürlich habe ich mich wieder arbeitgeberfreundlich für einen Termin nach Feierabend entschieden. 

Da ich ja bis 17 Uhr arbeiten muss und daher frühestens um 18 Uhr am Impfzentrum sein könnte, es voraussichtlich wieder mind. 30 Minuten dauern würde und ich dann noch wieder heim fahren muss, wäre ich bei einem 18 Uhr Termin völlig ausgehungert erst zwischen 19:00 und 19:30 Uhr Zuhause. Und dann erst das Kochen anfangen? Nee... 

Also entschied ich mich für den 19 Uhr Termin. So könnte ich  zumindest vorher noch was futtern und einem abendlichen Fressrausch entgegenwirken. Der 19 Uhr Termin entpuppte sich leider erst 3 Wochen nach der Buchung als zu knapp für diesen Plan - aber mit etwas Trickserei klappte er dann doch noch ;-)

Danach hieß es mal wieder warten.

Die Wartezeit wurde "überbrückt" indem ich noch dreimal vom Impfzentrum angeschrieben wurde. Das erste Mal, um mir mitzuteilen, dass mein Termin am 28. Mai erfolgreich storniert wurde.

Das zweite Mal ein paar Wochen später, um mich daran zu erinnern, dass der 28. Mai von mir storniert wurde und ich mich bitte schleunigst um einen neuen Termin kümmern sollte, falls ich das noch nicht gemacht hätte.

Und dann ein drittes Mal, zwei Tage vor dem neuen Termin. Ein Aufklärungsblatt wurde als PDF gemailt, welches ich unterschrieben zum Termin mitbringen musste. Darin wurde ich darüber informiert, dass ich vom Alter her nicht in der AstraZeneca Empfehlung der STIKO wäre, aber mein Impfarzt den Nutzen bei mir viel höher einschätzt als die Risiken. Da ich mich freiwillig wieder mit AstraZeneca impfen lassen will, sollte ich doch bitte mit meiner Unterschrift bestätigen, dass ich mir über alles im Klaren wäre etc. pp. 
Man sichert sich wohl doppelt und dreifach ab. Soll mir egal sein. Ich hab Vertrauen zu diesem Impfstoff. Ich will es endlich hinter mir haben.

Auch die Meldungen über Verunreinigungen in manchen Chargen von AstraZeneca, die ein paar Tage vor meinem Termin die Runde machten, konnten mich nicht umstimmen.

Und so machte ich mich am Donnerstag, den 27. Mai 2021 um 18:15 Uhr mit der Straßenbahn ein zweites Mal auf den Weg zum Zentralen Impfzentrum, um mich ein zweites Mal pieksen zu lassen.
 
Um zur entsprechenden Haltestelle zu kommen, fährt die Straßenbahn einmal am Messegebäude entlang. Vom Fenster aus konnte ich eine riesige Schlange sehen, die vor dem Eingang zum Impfzentrum anstand. Au Backe! Das wird wohl dieses Mal deutlich länger dauern :-/
Ich reihte mich also in die lange Schlange ein. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. In Wirklichkeit waren trotzdem noch gute 15 Minuten, bis ich endlich vor der Ordnerin stand, die die Terminbestätigung kontrollierte und einen rein ließ. Ein anderer Ordner fischte die Ü60 Fraktion aus der Schlange heraus. Da wurde scheinbar getrennt. Und weil bei den Ü60ern um diese Uhrzeit scheinbar weniger los war, durften die alle vor.
Als ich es an der "Türsteherin" vorbei geschafft hatte, lief das Prozedere eigentlich fast genauso ab, wie beim ersten Mal. Die Ü60er wurden nach links geschickt, direkt zur Registrierung. Die Jüngeren mussten geradeaus durch - zuerst einmal zum "Vorgespräch". 

Als ich mich dort in die nächste lange Schlange einreihte, fiel mir auf, dass der Typ in der gelben Jacke, der zuerst vor mir gestanden hatte, plötzlich ein ganzes Stück hinter mir war.
Während ich beim ersten Mal an dierser Stelle bereits an zig Desinfektionsspendern vorbei gekommen war, waren die hier nun etwas spärlich verteilt.

Die Schlange wurde vor dem nächsten Checkpoint in zwei Hälften geteilt und so ging es doch zügiger voran als gedacht. Nach nur wenigen Augenblicken, stand ich einem jungen Mann gegenüber, der Personalausweis und Impfpass kontrollierte. Danach durfte ich mir dann endlich mal die Hände desinfizieren und mich in die nächste Schlange einreihen. 

Es folgte das "Aufklärungsgespräch". Eigentlich war es ein Witz. Man sagte mir nur, dass ich mich ja freiwillig und bewusst wieder für AstraZeneca entschieden hätte, gab mir die Chance, jetzt noch meine Meinung zu ändern - als hätte ich aus Spaß schon so lange angestanden! - und sagte mir, ich solle speziell in den nächsten 6-14 Tagen auf die in der Einverständniserklärung vermerkten Symptome achten. Das war's. Halt, nein! Der Mann stutze. "Sie sind ja zu früh!" Ich blickte verwirrt auf die Uhr. Wieso? Termin um 19 Uhr. Inzwischen war es deutlich nach 19 Uhr.

Der Mann erklärte mir, dass bei mir noch nichtmal 9 Wochen rum wären. Erst 8 Wochen und 6 Tage! Inzwischen sind sie angewiesen, AstraZeneca im Abstand von 12 Wochen zu verimpfen. Der Kerl wollte mich doch glatt wieder nach Hause schicken! Hallo?! Ich hab nen halben Herzkasper bekommen. So aber nicht! Ich hatte bei der Wahl dieses Termins ja nicht wirklich eine Wahl. Es ging doch nur dieser eine Tag! Und dass sich zwischenzeitlich irgendwelche Regeln geändert hatten bei dem ganzen Astra-Hin-und-Her, da kann doch ich nichts für. Ob er sich wegen diesen paar Stunden bis zur vollendeten 9. Woche jetzt wirklich so anstellen würde? Zumal es doch inzwischen eh heißt, dass man die Impfung in regelmäßigen Abständen wird auffrischen müssen. "Hmmm...", machte er. Er würde jetzt ein Auge zudrücken und meine Bescheinigung abstempeln. Er könne aber nicht versprechen, dass ich am Ende aber auch die Spritze bekäme. Das würde der Arzt entscheiden. Auch das noch...

Mit etwas mulmigem Gefühl ging es weiter zum nächsten Checkpoint. Fieber messen. "Fühlen Sie sich krank?" Nein! Und schon ging es weiter.

Nächster Checkpoint. Hier wurden beim ersten Mal meine ganzen Belege kontrolliert (die ich auch unbedingt dieses Mal wieder mitbringen sollte) und die Krankenkassenkarte eingelesen. Dieses Mal wollten sie nur DEN Stempel (vom Bürokraten-Heini) und meinen Perso sehen. Ich bekam wieder meinen Laufzettel. "Bitte links halten und weiter gehen.".

Nun stand ich in der Schlage vor den Impfkabinen. Es war nicht wirklich ein Stop and Go, sondern eher wie zähfließender Verkehr. Und so hatte ich doch recht zügig den nächsten Ordner erreicht, der einem eine frei werdende Impfkabine zuteilte.

Hier ging es ratzfatz. Ich saß nicht lange vor der Kabine. Der Arzt kam schon raus, ob er mir seine Fragen schon hier draußen stellen dürfte. Klar doch. Ob ich über evtl. Nebenwirkungen bescheid wisse und ob ich noch Fragen hätte, waren seine einzigen Fragen. Ich hab ihm gesagt, dass ich das schon ausführlich mit meinem Hausarzt erörtert hätte. "Schön! Das freut mich zu hören.". Dann kam die Dame, die vor mir dran war raus, ich ging rein. Ich gab den Impfpass ab, bekam die Spritze und das war's. Außer dem Korinthenkacker am Anfang hat sich keine Sau mehr für das Datum der ersten Impfung interessiert!
Ich folgte der roten Linie zum Wartebereich, blieb 15 Minuten am Handy daddelnd sitzen, gab dann meinen Laufzettel ab und fuhr wieder nach Hause.

Falls sich jetzt irgendwer über Datenschutz Gedanken macht. Keine Sorge. Das stetige Gemurmel von hunderten Menschen übertönte jedes einzelne Gespräch und man verstand als Wartender nicht ein einziges Wort von jemand anderem :-) Es war wie das Summen in einem Bienenstock. Da hört man auch nicht die einzelne Biene heraus.
Den Abend ging es mir super. Aber ich war platt. Obwohl ich das dieses Mal nicht der Impfung anlaste. Es war einfach ein sehr langer Tag. Denn natürlich fuhr mir an der Messe die Bahn vor der Nase weg und mit der nächsten war ich dann endlich mal um 20:35 Uhr daheim.

Das Prozedere im Impfzentrum hatte beim ersten Mal nur 30 Minuten von Eingang bis Ausgang gedauert. Dieses Mal war so viel los, dass es weit über eine Stunde Zeit verschlang. Wie gut, dass ich vorher schon was gegessen hatte :-D

Die Nacht war gut. Ich hab super geschlafen. Fester als sonst. Keine Schmerzen in Kopf oder Gliedern, die mich wach gehalten hätten. 

Der Tag nach der Impfung war ein halber Arbeitstag. Den halben Tag Urlaub hab ich mir zum Glück erhalten. Außer einer leicht druckempfindlichen Stelle rund um den Einstich, hatte ich gar nichts. Allerdings merkte ich am späteren Vormittag, dass ich ziemlich unkonzentriert war beim Arbeiten und Mittags war ich schon deutlich müder als sonst, um diese Zeit. Von daher war es gut, dass ich um kurz nach 12 Uhr die Segel gestrichen habe.

Den Nachmittag habe ich geschäftig daheim verbracht. Mit Pausen zwischendurch. So müde, dass ich mich hätte hinlegen wollen oder müssen, war ich dann aber doch nicht. 

Fazit: Die zweite Impfung mit AstraZeneca war deutlich besser als die erste :-) In 14 Tagen genieße ich also den vollen Impfschutz und kann auf etwaiges "Nasepopeln" vorerst verzichten. 

Wusstet ihr eigentlich, dass der Impfstoff gar nicht AstraZeneca heißt? Mir war das bis vor kurzem gar nicht klar. Jeder sagt ja immer, er ließe sich mit AstraZeneca oder Biontech impfen. Das sind aber nur die Produzenten. Die Impfstoffe selbst, haben tatsächlich ganz andere - zum Teil unaussprechliche Namen :-D

Der Impfstoff von AstraZeneca z. B., heißt Vaxzevria und der von Biontech trägt den schönen Namen Comirnaty ;-)




Anmerkung:
Die Polizei rät dringend davon ab, ganz stolz seinen Impfpass in den sozialen Medien oder im Internet zu zeigen. Denn mit den unzensierten Daten werden von kriminellen Arschgeigen Impfpässe gefälscht! Daher, wenn ihr (wie ich) stolz auf euren Impfnachweis seid, macht bitte die Lot-Nummer des Impfstoffs und die Unterschrift (und ggf. den kompletten Stempel) des impfenden Arztes unkenntlich, bevor ihr das Bild hochladet!