Freitag, 1. Juni 2018

Tagesausflug in die französischen Vogesen

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Am gestrigen Donnerstag war erstmal der letzte Feiertag. Schade. An die ganzen freien Tage zwischendurch kann man sich echt gewöhnen. Da Gewitter und Regen angekündigt waren, wollten wir keine Wanderung machen. Außerdem war es die Gelegenheit, mal einen Trip ins benachbarte Frankreich zu machen. Denn die Franzosen hatten gestern keinen Feiertag. So hofften wir auf nicht ganz so überlaufene Orte und Sehenswürdigkeiten.

Seit 2012 muss man, wenn man nach Frankreich fährt, einen (chemischen?) Alkoholtester dabei haben. Bisher sind wir zwar noch nie kontrolliert worden, aber auf ein Bußgeld haben wir trotzdem keine Lust. Wir haben daher für jeden so ein Röhrchen im Handschuhfach. Allerdings haben wir gestern festgestellt, dass das Verfallsdatum bereits 2014 abgelaufen ist. Wir sollten also mal wieder neue besorgen. Ich glaube, die gab es beim ADAC.
Wir sind also gegen 9 Uhr losgefahren. Das erste Ziel war der Hartmannswillerkopf. In Breisach ging es über die Grenze. Erst Richtung Colmar, dann runter nach Mulhouse und hinauf in die Vogesen. Knappe 90 Minuten Fahrzeit.
Foto-Time an einer Baustellen-Ampel :-)
Am Hartmannswillerkopf bekamen wir noch einen schattigen Parkplatz. Denn statt der angekündigten Wolken und Schauern, empfing uns strahlender Sonnenschein - und es war saumäßig schwül! Das hätte ich da oben eher nicht so extrem erwartet.
Heute befindet sich dort oben eine wirklich interessante und beeindruckende Gedenkstätte. Das Memorial National du Hartmannswillerkopf. Franzosen trafen wir dort oben kaum an, aber dafür Busladungen mit deutschen Senioren! Zum Glück ist das Gelände sehr groß und die Massen verliefen sich schnell. Nur in der Krypta war es etwas voll - und angenehm kühl.
Infozentrum
Im 1. Weltkrieg war der Hartmannswillerkopf von französischen und deutschen Truppen hart umkämpft, denn er hat(te) eine strategisch günstige Lage und von oben konnte man weit ins Elsass und in die Oberrheinebene gucken - heute ist die Sicht fast überall zugewachsen, wie wir später feststellten. In den vier Kriegsjahren wechselte die Bergkuppe gleich viermal den "Besitzer". Rund 30.000 Soldaten (beide Seiten) verloren dort oben ihr Leben.
Mehr als doppelt so viele Männer wurden verletzt. Und da keine Seite gewann, stehen die Zahlen heute umso mehr für die Sinnlosigkeit dieses Krieges. Diesem Umstand verdankt der Berg auch die Namen "Menschenfresser" und "Berg des Todes". Am 10. November 2017 wurde das Denkmal durch den französischen Präsidenten Macron und den deutschen Bundespräsidenten Steinmeier eingeweiht.
Keine Handgranaten aufheben!
Im Infozentrum am Parkplatz gibt es eine kostenpflichtige Ausstellung - die wir uns aus Zeitgründen nicht angesehen haben - sowie ein kleines Café und Souveniers. Der Besuch der Krypta ist kostenlos (Öffnungszeiten beachten!) und das Gelände ist frei zugänglich. Da sich aber scheinbar noch immer viele Blindgänger im Boden verbergen, ist das Verlassen der gesicherten und befestigten Wege verboten.
Weg zur Krypta
Zuerst folgten wir einer Meute deutscher Senioren in die Krypta. Man läuft durch einen Gang, flankiert von Wällen. Die Krypta sieht von außen beinahe wie ein Bunker aus. Wahrscheinlich ist das so gewollt.
Eingang zur Krypta

Detail vom Krypta-Eingang
Innendrin steigt man dann hinab in die Tiefe. Bei der Treppe muss man echt aufpassen, denn die Stufen sind sehr flach.
Unten steht man dann in einer großen Halle mit Lichtkuppel. Trotzdem ist es eher dämmrig da unten. Es ist feucht und riecht nach Beton. Die Inschriften zu beiden Seiten können wir nicht lesen, denn sie stehen dort nur auf französisch. Wir sind der Sprache beide nicht mächtig. Ein paar einzelne Wörter kann ich vom Englischen und Spanischen ableiten, aber für viel Verständnis reicht es nicht aus.
in der Krypta

Eingang der Krypta von oben
Oberhalb der Krypta, quasi auf ihrem Dach, steht eine kleine Stufenpyramide mit einem vergoldeten...was ist das? Eine Truhe, ein Sarg, einfach nur ein rechteckiger Steinklotz oder gar ein Altar? Auf diesem Quader stehen jedenfalls diverse französische Städte.
Auf dem "Dach" der Krypta


Auf der Rückseite der Plattform geht es hinab zu einem riesigen Gräberfeld. Auf den Kreuzen stehen die Namen der gefallenen Soldaten und für welche Seite sie sinnlos ihr Leben opferten. Im Hintergrund der Gipfel des Hartmannwillerkopfes - ebenfalls mit einem großen Kreuz versehen.
Friedhof/Gräberfeld

Das Wetter war besser als erwartet. Trotz der Schwüle entschlossen wir uns, den mit 4,5 km angegebenen Rundweg über das ehemalige Schlachtfeld zu laufen.
Der Rundweg durch das ehem. Schlachtfeld (Karte von Komoot)
Der Weg ist recht gut markiert. Man kann ihn wohl in beide Richtungen laufen. Wir entschieden uns für die Runde im Uhrzeigersinn. Weiter hinten fiel uns dann auf, dass die Wegweiser nur noch in die Richtung zeigten, aus der wir kamen. Aber das war ja kein Problem. Immer wenn irgendwo Unklarheit herrschte, kam schon der nächste Wegweiser.
Markierung für den Rundweg
Zuerst ging es über schmale Pfade durch den Wald. Trotz Schwüle lies es sich im Schatten gut aushalten.
Schnell kamen wir an die ersten schmalen Gänge, die links und rechts mit Steinen befestigt waren. Hier wurde es kurzzeitig etwas eng, weil vor uns eine geführte Gruppe von Senioren war, die wir schließlich überholen konnten.
Zu beiden Seiten im Wald immer wieder alte Stacheldrahtzäune, die dort seit 100 Jahren vor sich hin rosten. Auch Blechstücke mit Einschusslöchern sahen wir immer wieder herumliegen.
Nachdem wir die Senioren hinter uns zurückgelassen hatten, wurde es ruhig. Streckenweise hatten wir den Rundweg komplett für uns alleine. Die älteren Leute sind aus gutem Grund wohl nicht weiter gegangen.

Die Natur und das Leben haben das ehem. Schlachtfeld zurückerobert. Schnecken und Insekten sind hier zu Hauf unterwegs und in den Bäumen zwitschern unzählige Vögel. Die alten Mauern sind mit Moosen und Gras bewachsen. An einigen Stellen wachsen sogar wilde Erdbeeren auf den Resten der Schützengräben.


An einer Stelle sehen wir "Bochum 1884" auf einem Stahlträger. Wir sind noch auf französischer Seite des Kampfgebietes und wundern uns. Wahrscheinlich haben die Franzosen den deutschen Stahl schon vor dem Krieg bezogen.

Erdbeere auf dem Rand des Schützengrabens

Wir kommen an diversen Unterständen vorbei. Sie sind niedrig und eng, kalt und muffig. Hier und da sind "Aussparungen" in den Wänden. Löcher zum hinausschießen? Wahrscheinlich. Die Menschen waren früher etwas kleiner als heute. Trotzdem muss es auch für sie unglaublich beengt gewesen sein.
In den zum Teil "überdachten" Gängen muss Schatz ziemlich in die Knie gehen, um sich den Kopf nicht anzustoßen. Dabei ist er mit seinen 182 cm auch kein Riese.
In den Mauern sehen wir oft eingelassene Metallfächer. Ich vermute, dort wurde die Munition griffbereit gelagert. Wozu sonst könnten sie gedient haben?
Die Bunkeranlagen darf man nicht betreten. Sie sind mit einem Vorhängeschloss gesichert. Auch einige der abzweigenden Gänge sind mit einem Stahlseil verhangen. Betreten verboten. Es geht leicht bergan. Ich denke, dass ich besser eine kurze Hose angezogen hätte. Bei der Schwüle ist es mir in der 3/4-Hose zu warm.
Dann biegen wir um eine Ecke, und der Weg ist ziemlich mit Brennesseln zugewachsen. Ich freue mich, dass ich doch etwas Schutz an den Beinen habe. Der Weg führt hier hauptsächlich durch die alten Schützengräben. Er windet sich nach links und rechts. Immer wieder gibt es uneinsehbare Ecken. Teilweise sind die Wände so hoch, das wir nicht hinübersehen können. An diesen Stellen sind Metallbügel eingelassen. Darauf konnten die Soldaten früher steigen, um über die Kante zu blicken.
Die Gänge bleiben eng und winden sich weiter. Wir hoffen, dass uns niemand entgegen kommt. Ab und zu hören wir eine größere Menschengruppe - die sich später als französischer Klassenausflug entpuppt. Durch die vielen Windungen haben wir bald jegliche Orientierung verloren. Das Gefühl, im Kreis zu laufen, stellt sich ein. Aber dann kommt der nächste Wegweiser. Wir sind noch richtig. Durch die engen Gänge zu laufen und sich vorzustellen hier bei Wind und Wetter einem Gegener gegenüber zu stehen und um sein Leben zu fürchten löst Beklemmung aus.

Schatz bleibt zurück. Er fotografiert noch einen Unterstand. Ich gehe um eine Biegung und von unten kommt die Schulklasse herauf. Ein Glück war dort gerade eine der seltenen Nieschen im Mauerwerk. Dort drücke ich mich hinein, damit die Schülerhorde vorüber ziehen kann. Einige Schülerinnen sind so auf den Weg konzentriert, dass sie mich erst im letzten Moment sehen und sich tierisch erschrecken. "Pardon!" - "Bonjour Madame." Einen Zuruf an Schatz kann ich nicht mehr loswerden und hoffe, er hat auch eine geeignete Ausweichstelle gefunden. Hat er!
Nun geht es hinab. Der Weg ist nass vom nächtlichen Regen. Die Steine sind rutschig. Man muss aufpassen, um nicht hinzufallen. Wie muss das damals für die Soldaten gewesen sein? Die hatten doch eigentlich keine Zeit zum "aufpassen".
Nun sind wir auf der deutschen Seite des Schlachtfeldes. Die Bunker und Stollen tragen Namen wie Karlsfeste oder Bremer Ratskeller. Über eine Treppe geht es bequem den Hang hinab. Unten geht der Weg nach rechts weiter.

Karlsfeste
Links tut sich plötzlich der Wald auf und man hat einen überwältigenden Blick hinab ins Elsass und die Rheinebene. Fantastisch! So schön. Und trotzdem kann man den Blick nicht 100 % genießen, denn der Pfad bekommt plötzlich alpinen Charakter. Rechterhand der Felsen, linkerhand geht es hinab in die Tiefe. Kein Geländer, keine anderweitige Möglichkeit sich festzuhalten.
der alpin anmutende Weg

Blick hinab ins Elsass

Als der Pfad nach ein paar Metern wieder breiter wird, kommen wir an weiteren, in den Fels gebauten Gebäuden vorbei. In einem Raum sehen wir ein altes, riesiges Zahnrad.
Im Raum daneben ein alter Tank. Ein Schild spricht von einem "Ancient Compresseur". Ein historischer Kompressor? Das Teil ist riesig! Wie der Öltank im Keller meiner Eltern. Früher war die Technik halt noch nicht so kompakt wie heute.

Wir folgen dem Weg weiter und nun geht es wieder leicht bergauf. Wir kommen an einem weiteren Denkmal vorbei. Hier geht es kurz steil hinauf.

Der Blick von oben ist wieder klasse! Die Wolken werden aber mehr. Nun ist das Wetter so wie angekündigt. Schwül ist es dennoch.



Unterwegs treffen wir ein Paar mit Hund. Sie unterhalten sich auf deutsch. Da wir das Gefühl haben, schon weit mehr als die angegebenen 4,5 km gelaufen zu sein, fragen wir, ob sie wissen, wie weit das Infozentrum entfernt sei. "Oh, das ist noch ein ganz schönes Stück entfernt!". Echt? Na toll. Die Hitze macht mir zu schaffen.


Wir kommen zum St. Gotthard Tunnel - zum Glück nicht der in der Schweiz...da hätten wir uns ja dann total verlaufen! Kurz darauf erreichen wir das Gipfelkreuz vom Hartmannswillerkopf. Huch! Schatz hatte schon beim Start des Rundwegs gejammert, er würde da gerne hinauf wandern. Ich lehnte wegen der Schwüle ab. Jetzt waren wir doch hier. Der Rundweg führt nämlich über den Gipfel :-)
Dort oben waren auch noch einige interessante Sachen zu sehen. Bunker, Denkmäler, Infotafeln. Aber leider konnten wir davon keine guten Bilder machen, da sich die schon bekannte französische Schulklasse dort oben über alles "sitzbare" zur Mittagsrast ausgebreitet hatte. Blöd.
Dafür entdeckten wir hier oben, auf knapp 1.000 m Höhe, die schon aus dem Liliental bekannte Orchidee :-)

Der Weg führt wieder in den Wald und wird langsam breiter. Dann ein Wegweiser mit dem Hinweis "Retour Parking". Juchu! Es kann also nicht mehr weit sein. Das Pärchen hatte wohl doch eine etwas andere Vorstellung von Entfernungen als wir. Oder sie sahen einfach eine dicke, schwitzende Frau die nach dem Weg fragte und wollten mir keine "falschen Hoffnungen" auf das baldige Erreichen des Ziels machen? Wer weiß.
Vom Weg aus der Blick durch die Bäume hinab zum Gräberfeld vom Anfang. So weit ist es gar nicht mehr. Der Weg führt weiter abwärts durch den schattigen Wald. Und dann erreichten wir die Abzweigung unterhalb des Gräberfeldes.
Zwischen den Kreuzen hindurch gehen wir den Weg wieder hinauf und zurück zum Infozentrum. Dort angekommen stellen wir fest, wir haben wirklich nur 4,8 km zurück gelegt. Dafür aber fast 90 Minuten gebraucht. Darum kam uns der Weg so lang vor.

Wer mal dort hoch fährt und Geschichte quasi hautnah erleben will, dem können wir den Rundweg nur ans Herz legen. Aber festes Schuhwerk, Trittsicherheit und teilweise auch Schwindelfreiheit sind hier sehr von Vorteil.

Zurück am Auto programmieren wir das Navi neu. Praktischerweise liegt das zweite Tagesziel genau auf dem Weg zum dritten und letzten Tagesziel. Wir geben also den Endpunkt der Reise ein und machen zwischendurch noch einmal Halt.

Hinter uns werden die Wolken immer dunkler. Vor uns ist noch blauer Himmel. An einem kleinen Parkplatz am Straßenrand halten wir kurz an. Ich möchte ein Bild machen. Die Landschaft ist herrlich anzusehen. Und vom Fahrersitz aus habe ich ja kaum was davon.

Hier sehen wir auch das nächste Ziel. Den Grand Ballon. Den Großen Belchen in den Vogesen. Auf dem badischen Belchen im Schwarzwald waren wir ja auch schon :-)
Weiter gehts zum Grand Ballon. Dort ist auf dem Parkplatz auch noch einiges frei. Hauptsächlich Motorradfahrer stehen dort.

Wir machen uns auf zum Gipfel. Unten hängt ein ausgedruckter Zettel in einer Plastikhülle - nur auf französisch. Wir verstehen kein Wort und laufen weiter.
Der Weg ist schmal, aber man kann ihn gut laufen. Die Steigung lässt sich gut bewältigen. Und dann, nach einer Kurve, liegt da plötzlich noch ein Rest Schnee! Irre. Wir hatten uns schon gewundert, woher das ganze Wasser kam, das über den Weg plätscherte :-D
Blühende Heidelbeeren noch und nöcher da oben am Hang. Ein paar Blümchen hier und da. Wir kommen dem Gipfel immer näher.
Zwischendurch ein Blick zurück zu der Straße, über die wir hinauf kamen. Die Wolken werden immer dunkler und scheinen immer tiefer zu kommen.
Plötzlich ein orangener Zaun - wie man ihn aus Skigebieten kennt - mitten über dem Weg. Daran wieder ein gedruckter Zettel mit dem gleichen Text, den wir nicht verstehen. Was nun? Weiter gehen? zurück zum Auto ohne Gipfel?

Von oben kommen uns zwei Wanderer entgegen und gehen einfach am Rand um die Absperrung herum. Das taten wir dann auch. Oben angekommen eine Baustelle. Vielleicht war deshalb abgesperrt. Aber der Blick von oben war gigantisch!

Eigentlich wollten wir den kleinen Rundweg laufen. Aber an den dort arbeitenden Männern trauten wir uns dann doch nicht vorbei. Vielleicht hätten wir gar nicht hier hoch gedurft. Wir wissen es nicht und entscheiden uns, den gleichen Weg hinab zu gehen, den wir hochgelaufen sind.

Wieder bei der orangenen Absperrung treffen wir zwei von unten kommende Mountainbiker. Sie fragen mit schweizer Akzent nach dem weiteren Wanderweg. Wir sagen, wir haben keine Ahnung, was das Schild bedeutet, aber oben sei eine Baustelle und wir wüssten nicht, ob es weiter geht. Sie bedanken sich und heben ihre Fahrräder über den Zaun.

Wieder ein Blick hinab zur Straße, auf der wir her kamen. Eine sehr dichte Nebelwand schiebt sich über den Berg. Es wird richtig dunkel. In der Ferne hören wir es leise donnern. Wir legen einen Zahn zu.
Mitten auf dem Weg erwischt uns dann auch die anrollende Nebelbank. Zum Glück ist der Nebel nicht so dicht, das wir den Weg nicht mehr erkennen könnten. Wir schaffen es heile zurück zum Auto.
Kaum haben wir die Autotüren geschlossen, fängt es richtig fette Tropfen an zu regnen. Puh! Glück gehabt :-) Im Regen verlassen wir den Grand Ballon und fahren weiter zum letzten Tagesziel.

Keine 20 Minuten später hört der Regen genauso plötzlich auf, wie er begonnen hat. Die Sonne kommt wieder durch. Wir fahren noch eine knappe Stunde und erreichen Gérardmer. Der ausgekundschaftete Parkplatz wird vom Navi zielsicher gefunden und es ist noch reichlich Platz. Wir suchen nach einem Parkscheinautomaten oder anderen Schildern wegen Parkdauer, Parkscheibe etc. Nichts! Ein Blick in die anderen Autos offenbart weder Parkscheiben noch Parktickets. Ein riesiger kostenloser Parkplatz direkt am See! Ich bin verblüfft. Sowas findet man in Deutschland nicht.
Der Himmel ist inzwischen schon wieder ziemlich dunkel. Wir haben 15 Uhr und ab 16 Uhr sind Gewitter angekündigt. Wir gehen erstmal runter zum See. Es gibt einen Bootsverleih und ein Rundfahrtschiff legt gerade ab.


Das Wetter scheint zu halten und wir beschließen, auch noch etwas durch den Ort zu laufen. Viel zu sehen gibt es allerdings nicht. Für die Franzosen ist ein ganz normaler Arbeitstag. Der Ort an sich ist wenig aufregend. Besonders groß ist er ja auch nicht.
In einer Straße finden wir viele hübsche alte Häuschen. Einige in besserem Zustand als andere. Oben Wohnungen, unten Geschäfte.

Wir laufen bis zur Kirche. Hinein kommen wir nicht, denn vor der Kirche wird gerade neu gepflastert. Außerdem haben wir in Colmar schon die Erfahrung gemacht, dass die Franzosen für ihre Kirchen Eintritt kassieren. Ob das hier auch so wäre? Wir wissen es nicht.
Kirche von Gérardmer

Vor dem Rathaus, nicht weit von der Kirche, ein hübscher Platz mit Brunnen. Das Rathaus ist wenig spektakulär - wie in den meisten anderen Städten auch.
Rathaus von Gérardmer
Der Donner wird lauter und es wird windiger. Wir laufen zurück zum Auto und beschließen, unsere mitgebrachten Brötchen noch auf einer Bank am See zu futtern. Denn das Frühstück ist Stunden her und wir haben Hunger. Wir schaffen es, ein Brötchen zu essen. Dann fängt es an zu tröpfeln und wir huschen schnell zum kostenlosen öffentlichen WC und dann zurück zum Auto.

Wir programmieren das Navi auf Zuhause. Zwei Stunden Rückfahrt liegen vor uns. Die meiste Zeit fahren wir im Regen. Aber das ist uns egal. Wir scheinen das perfekte Timing zum Frühstück gegessen zu haben. Denn wir hatten einen tollen Tag und sahen den Regen immer nur vom trockenen Auto aus :-) Alles richtig gemacht, würde ich sagen.
Der Rückweg erinnert an eine Fahrt durch die schweizer Alpen. Schmale Straßen mit Begrenzungsmauer und immer wieder kleine "Tunnel" durch den Fels. Hinter einem dieser Tunnel ist ein kleiner Parkplatz. Ich halte dort. Es gießt in Strömen. Die Kamera ist im Kofferraum im Rucksack. Kurz entschlossen zücke ich das Handy und halte es aus dem Fenster, um ein Bild zu machen :-)

Je tiefer wir kommen, desto schöner wird das Wetter wieder. In der Rheinebene angekommen scheint sogar wieder die Sonne.
Wir fahren durch unzählige elsässische Dörfchen immer Richtung Colmar. Weil wir nicht wissen, welche Autobahnabschnitte kostenpflichtig sind (im Elsass sind einige, aber nicht alle Autobahnen von der Maut befreit), haben wir dem Navi gesagt, es solle eine Route ohne Autobahn raussuchen.
Daher geht es erst Richtung Colmar, dann wieder südlich Richtung Mulhouse und dann wieder nördich nach Neuf-Brisach und schließlich wieder in Breisach über die Grenze.

Kurz vor dem Grenzübertritt war ein Kreisverkehr. Die Franzosen lieben ja scheinbar Kreisverkehre über alles. Wir kamen durch unzählige. Aber bei diesem einen war es echt seltsam. Wir sollten gleich die nächste Ausfahrt wieder raus. Also setzte ich den Blinker, warte auf eine Lücke und fahre hinein und gleich wieder hinaus.

Plötzlich hupt es wie wild hinter mir. Ein schwarzer Peugeot mit französischem Nummernschild überholt mich und drängt mich dabei fast von der Straße! Ich kann es nicht fassen. Was hab ich falsch gemacht? Die Lücke war groß genug. Ich hab also definitiv niemanden ausgebremst. Der Kreisel saha auch nicht zweispurig aus. Selbst wenn war ich niemandem im Weg, denn ich bin ganz rechts am Rand geblieben, weil ich ja gleich wieder raus musste. Ich bin mir keiner Schuld bewusst.

Und auch dieses aggressive Fahrverhalten kann ich absolut nicht nachvollziehen. Denn der schwarze Peugeot blieb noch Kilometer vor mir in der Schlage, die sich hinter den 3 Lastwagen staute. Es brachte ihm also nur eine Autolänge Vorsprung. Ist es die Wert, dafür einen Unfall zu riskieren? Ich hab noch lange darüber nachgegrübelt, ob ich was falsch gemacht habe. Aber ich finde keinen Fehler bei meiner Fahrweise. Wenn mir das zuvor an den unzähligen Kreiseln schon passiert wäre, hätte ich wohl eingesehen, dass ich keine Ahnung habe, wie man in Frankreich einen Kreisverkehr benutzt. Aber da ich nur bei diesem einen hier "blöd angemacht" wurde, gehe ich einfach mal davon aus, das der Fahrer einfach miese Laune hatte und mich als Opfer auserkoren hatte. Idioten gibt es auf der ganzen Welt :-D
In der Nähe von La Forge
Wieder daheim schmiss ich mich dann zum zweiten Mal unter die Dusche. Gerade am Hartmannswillerkopf hab ich dermaßen geschwitzt, dass ich mich fühlte, als hätte ich am Morgen nicht geduscht. Bäh! So klebrig wollte ich nicht ins Bett gehen. Und dann versackten wir bis zur Schlafenszeit auf der Couch.

Es war ein toller Ausflug. Wir hatten beim Wetter jedes Mal perfektes Timing. Aber die insgesamt fast 5 Stunden im Auto haben doch ziemlich geschlaucht. Zumal Schatz ja so lange Strecken nicht mehr fahren soll (empfiehlt der Neurologe).

Dieses Wochenende bekommen wir dann Besuch. Anreise ist am Samstag Nachmittag und Abreise am späten Sonntagnachmittag. Da wird es also das ganze Wochenende auch nichts mit wandern.

6 Kommentare:

  1. ui riesiger Beitrag! Das mit dem Alkoholtester...weiß ich zwar, fahre jeden Tag 2 x durch F und vergesse immer, mir einen anzuschaffen - gleiches REgister wie die Zeckenimpfung - bis es knallt, dann jammert sie, die Frau K...So! Nun habe ich als Mitglied gerade mal beim ADAC angerufen: als Tourist bzw. Nichteinheimischer wird kein Bußgeld mehr erhoben! Die Beamten können einen auffordern, sich in der Apoth. einen zu kaufen, aber Strafe gibt's nicht, dazu folgender ARtikel: https://www.adac.de/infotestrat/adac-im-einsatz/motorwelt/Alkohol_Frankreich.aspx

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  2. Von diesem Hartmannswillerkopf hatte ich noch nie gehört, ist aber wohl wie unser Spicherer Berg hier, den ich im Rahmen vom Stadtrundweg auch bewandert hatte. Unglaublich, dass man mal Todfeinde war..heute hatte ich mich an einer Supermarktkasse prima mit einem französischen Ehepaar unterhalten :-) Das Handgranatenschild ist auch ne Seltenheit..aber was bedeutet das Schild direkt darunter??? Sollen das Kinder sein, auf die man ein Auge hat, oder Männer sollen kein Auge auf Frauen werfen? Und all diese sinnlos geopferten Leben, bei sowas kommen mir immer meine Altweibertränen...Die Metallfächer könnten auch für immer griffbereite Gasmasken gewesen sein, man weiß es nicht. Höchst bedrückend! Kein Tier betreibt soviel Aufwand, um Mitglieder der eigenen Spezies zu vernichten...

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  3. Der Blick vom Grand Ballon ist wirklich fantastinös. Wie hieß denn der See? Find ich gar nicht. Tolle Fahrt war das und prima Wettertiming

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  4. Gut zu wissen, dass wir die Alkoholtester nicht nochmal neu kaufen müssen :-) Danke für die Info!

    Stimmt, an Gasmasken hab ich gar nicht gedacht. Aber die Fächer waren ziemlich schmal. Ich hab keine Ahnung, ob die da rein gepasst hätten. Ist ja auch egal. Schrecklich war es sowieso. Wir kannten den Hartmannswillerkopf auch nicht, bis wir mal in einer Dokumentation davon hörten.

    Das letzte Schild hab ich auch nicht verstanden :-D

    Der See heißt so wie der Ort: Lac de Gérardmer ;-)

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  5. Okay danke, Lac de Scheradmäääär :-) Hab gerade einen Clown zu Abend gegessen...

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  6. Wir hatten Spargel und Pfannkuchen zum Abendessen. Aber der Clown war sicher auch lecker ;-D

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