Dienstag, 27. August 2019

Leben ohne Pille?

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Im Januar dieses Jahres, während der Krebsvorsorge, habe ich meiner neuen Gynäkologin (die alte ging ja in den Ruhestand) von meinen Beschwerden erzählt, die ich für Nebenwirkungen der Pille halte. Wir haben uns unterhalten und sie kam zu dem Schluss, dass es entweder wirklich Nebenwirkungen sein könnten oder eine ganz andere Ursache vorliegt. Am Ende blieben jedoch nur 4 Möglichkeiten wie es nun mit mir weiter gehen könnte:

1. Die Minipille weiternehmen wie bisher und mit den Nebenwirkungen (falls es denn welche sind) leben - auch wenn die wirklich Sch...sind. Eine andere Form der Pille käme für mich auf Grund meines erblich bedingten Bluthochdrucks und des Übergewichtes gar nicht in Frage (obwohl ich ja erst mit Umstellung auf diese Minipille wieder schleichend so zugenommen habe!).

2. Die Minipille durch eine Kupferspirale ersetzen. Denn eine reguläre "Östrogenverhütung" kommt für mich einfach nicht in Frage. Die Kuperspirale kostet ca. 200 - 250 EUR, kann für bis zu 5 Jahre drin bleiben, muss aber alle 6 Monate auf korrekten Sitz überprüft werden (wieder jedes Mal ca. 20-30 EUR Kosten für den Ultraschall). Allerdings gibt es bei der auch Nebenwirkungen wie zum Beispiel größere Menstruationsbeschwerden, eine stärkere und länger andauernde Blutung etc. Außerdem ist das Einsetzen wohl nicht ganz schmerzfrei bzw. sehr unangenehm bei Frauen, die noch keine Kinder bekommen haben (so wie ich), weshalb sie bei kinderlosen Frauen eigentlich eher ungerne eingesetzt wird. Jedenfalls finde ich die Krebsvorsorge schon immer extrem unangenehm. Und wenn ich nach nur ein paar Monaten merke, dass ich die Kupferspirale nicht vertrage oder die Nebenwirkungen zu arg wären, hätte ich die 200-250 EUR einfach in den Wind geschossen. Es gibt keine "Geld-zurück-Garantie" und keine Garantie, dass ich sie problemlos vertrage. Da ich eine Nickelallergie habe, bin ich etwas verunsichert, mir an anderes Metall dauerhaft einsetzen zu lassen. Was passiert, wenn die Spirale mit der ersten starken Regelblutung wieder rausgespült würde - was auch vorkommen kann! - weiß ich nicht. Ich gehe mal davon aus, dass ich dann auch das Geld los wäre, ohne einen Nutzen gehabt zu haben. Auf Grund unserer finanziellen Situation kommt diese Variante daher erstmal nicht in Frage - und natürlich, weil ich eine Memme bin und Angst vor evtl. Schmerzen beim Einsezten habe.

3. Pille absetzen und hormonfrei verhüten. Komplett auf die sichere und bequeme hormonelle Verhütung verzichten und gucken, ob es mir dann besser geht - wenn sich mein natürlicher Hormonspiegel nach einigen Wochen bzw. Monaten wieder reguliert hat. Wenn nicht, müsste man klären, was sonst für Ursachen für meine Beschwerden in Frage kämen, denn dann wären es ja keine Nebenwirkungen der Pille.

4. Die Endlösung. Sterilisation! Ein operativer Eingriff, den ich ebenfalls selbst finanzieren müsste. Kosten von ca. 1.000 - 1.500 EUR.

Jetzt saß ich da. Was mache ich nur? Ich hab mir alle Fürs und Widers angehört, Fragen gestellt, Antworten erhalten, mir für weitere 6 Monate die Minipille verschreiben lassen - Bedenkzeit! - und bin mit einem komischen Gefühl nach Hause gefahren.

Ein erstes Gespräch mit Schatz war wenig erhellend. Ich müsse das selbst entscheiden. Toll! Aber es betrifft ihn doch genauso wie mich :-/ Die Endlösung für ihn kam für ihn gar nicht in die Tüte, obwohl der Eingriff bei Männern weit weniger aufwendig, kostspielig und problematisch wäre als bei Frauen. Ich schätze, da ist so eine "Männlichkeits-Schraube" in seinem Hirn etwas zu fest ;-) Jedenfalls wollte er von diesem Thema nichts weiter hören. Zum Glück folgten mit der Zeit noch weitere Gespräche. Endergebnis: Egal was kommt, wir meistern das zusammen :-)

Und so habe ich die ersten Wochen erstmal gar nichts gemacht. Ich war einfach überfordert.

Gegen Ostern kam mir das Thema wieder in den Kopf. Ich hab angefangen, im Internet zu recherchieren. Ich hab mich über hormonfreie Verhütung informiert - wenn man sich da ewig nicht mit beschäftigen musste, kann eine Auffrischung des Wissens keinesfalls schaden ;-) - und viel gelesen. Auch Blogs von Frauen, die seit Jahren hormonfrei Verhüten und die schreiben, es ginge ihnen so viel besser als mit der Pille. Viele dieser Frauen verhüten mit NFP (Natürlicher Familien Planung). Ich weiß nicht, ob mir das nicht im Moment zu aufwendig ist. Und wie zuverlässig das ganze ist, wenn man sich noch nicht wirklich damit auskennt. Das lassen wir erstmal ;-)

Eine Frau berichtete, sie hätte die Pille abgesetzt, kurz bevor sie für 6 Monate zum studieren ins Ausland reiste. Als sie heimkehrte, hatte sie sich durch die fehlenden zusätzlichen Hormone, so sehr in ihrer Persönlichkeit verändert (zu der Frau hin, die sie früher war!), dass ihr Partner sie kaum wiedererkannte und lange brauchte, um mit seiner "neuen" Freundin klar zu kommen. Auch die ganzen angestrebten Pläne wurden nach absetzen der Pille so ziemlich alle über den Haufen geworfen, weil sie gar nicht mehr zum "neuen" Leben passten.

Es gibt Berichte über Trennungen, nachdem die Pille abgesetzt wurde. Nicht nur, weil der Partner mit dem neuen (alten) Selbst nicht klar kam, sondern auch, weil Frauen ohne die zusätzlichen Hormone ihre Partner plötzlich nicht mehr attacktiv fanden.

Hormonfreie Verhütungsmethoden gibt es einige am Markt. Wobei ein paar auch schon wieder am "Verschwinden" sind, weil sie einfach zu wenig gebraucht werden.

Die Pille nehme ich etwa seit meinem 20. Lebensjahr - im Nachhinein bin ich froh, dass ich wenigstens meine Pubertät ohne zusätzliche Hormone durchgemacht habe. Damals habe ich eine ganz "normale" Pille bekommen (Belara). Mit der war ich total zufrieden. Ich habe keine Nebenwirkungen gespürt. Lediglich mein Hautbild hat sich positiv verändert und ich war rundum geschützt.

Die Belara habe ich fast 8 Jahre genommen. Dann entschied meine Gynäkologin, dass es besser wäre zu wechseln. Grund: die Nebenwirkungen die in Verbindung mit meinem (zwischenzeitlich zurückgekehrten) Übergewicht und dem (vererbten) Bluthochdruck auftreten könnten. Vor allem aber das Thromboserisiko.

Also bekam ich eine andere "normale" Pille (Yasmin). Bei der merkte ich bald, dass meine Libido etwas weniger wurde. Aber das schob ich darauf, dass wir einfach gerade eine etwas schwierigere Phase in der Beziehung hatten. Aber sonst merkte ich keine Nebenwirkungen.

Die Yasmin nahm ich nicht lange. Dann entschied die Gynäkologin, dass die auch nicht das richtige für mich sei und wir wechselten auf eine Minipille (Jubrele). Mit der war ich anfangs auch total zufrieden. Am tollsten fand ich die Nebenwirkung, dass meine Periode völlig ausblieb. Kein kaufen von und hantieren mehr mit Hygieneartikeln. Herrlich! Kein Einplanen der Periode bei Ausflügen und Urlauben. Ich fühlte mich irgendwie befreit. Mit der verminderten Libido hatten wir zu leben und zu lieben gelernt. Alles andere kam so schleichend, dass ich die Veränderungen Jahre lang gar nicht so richtig wahrgenommen habe.

Das einzige was schnell auffiel, waren der vermehrte Haarwuchs (Hexenhaar) an Stellen, an denen ich keine Haare haben wollte und die extrem unreine und fettige Haut im Gesicht. Damit konnte ich aber leben. Dachte ich. Zeitweise kam ich mir vor, als hätte man mich in die Pubertät zurück katapultiert. Denn auch meine Haare wurden extrem fettig und ich neigte mal mehr und mal weniger stark zu Pickeln auf der Kopfhaut, am Kinn und am Haaransatz.

Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr wurden mir auch andere Veränderungen bewusst. War ich früher auch so? So lustlos, fast schon gleichgültig? Nein! Was hat sich in meinem Leben geändert? Außer dem Wechsel der Pille eigentlich nichts. Daher war und bin ich mir ziemlich sicher, dass auch die anderen "Beschwerden" wie Müdigkeit und - ja, ich würde es schon als leichte Depressionen bezeichnen - von der Pille kommen könnten. Denn ich kann mich nicht erinnern, dass ich früher auch schon so antriebslos war. Wenn ich mir in meinen digitalen Aufzeichnungen ansehe, was ich 2013-2015 an Bewegung hatte und wie sehr das nach und nach (mit den Umstellungen der Pille!) abgenommen hat und wie schwer es mir zum Schluss fiel, mich überhaupt zu etwas aufzuraffen.... das ist doch kein Leben! Und Zufall ist es wahrscheinlich auch nicht, dass es mir ab 2016 - mit Umstellung auf die Minipille - schleichend schlechter ging. Und so ist es ja auch kein Wunder, dass das mit dem Gewichtsverlust nicht richtig klappen will seit Jahren.

Und so wurde aus der Überlegung, die Pille abzusetzen, ein konkreter Plan. Probieren geht über studieren. Es kann ja eigentlich nur besser werden. Und sollte sich keine Änderung/Besserung einstellen und alles nicht durch die Pille kommen, könnte ich sie ja problemlos wieder einnehmen und meine Gynäkologin und ich müssten nach einer anderen Ursache forschen. Dann würde im nächsten Schritt der Hormonspiegel und die Schilddrüse überprüft. Allerdings muss ich mich auch darauf einstellen, dass mein Körper zwischen 6 und 12 Monaten brauchen wird, bis sich der natürliche Hormonhaushalt wieder reguliert hat. Ich brauche also trotz allem weiterhin Geduld.

Ein Kinderwunsch besteht natürlich nach wie vor nicht. Es gilt also weiterhin irgendwie zu verhüten und eine Schwangerschaft zu vermeiden. Trotzdem kommt für mich die Endlösung (auch finanziell) nicht in Frage. Was ist, wenn ich wie meine Tante kurz vor Knapp doch noch Torschlusspanik bekomme und mir diese Hintertür dann quasi zugemauert hätte? Nein, das mache ich nicht! Und auch die Spirale ist mir für "auf einmal" etwas zu teuer. Ich kann nicht "mal eben" 250 EUR für ein Verhütungsmittel ausgeben - von dem ich nichtmal 100 % weiß, ob ich es überhaupt vertrage oder ob es drin bleibt.

Der Gedanke, wie viele von diesen kleinen Hormontabletten ich in all den Jahren genommen habe, ist schon erschreckend irgendwie. Bei der normalen Pille sind 21 Tabletten in einem Blister. Das heißt, ich habe davon rund 13 Blister (ca. 273 Tabletten) pro Jahr eingenommen. Bis ich 2016 auf die Mikropille umgestellt worden bin, waren das 13 Jahre. Und dann nochmal über 3 Jahre mit der Minipille, die TÄGLICH eingenommen wird (ohne Pause). Das macht unglaublich viele Tabletten in 16 Jahren, die meinem Körper "künstlich" Hormone zugeführt haben, die er eigentlich gar nicht bräuchte. Stellt euch die mal aufgetürmt auf dem Tisch vor. Schon irgendwie verrückt.

Im Laufe des Frühjahrs ging es in einem TV Beitrag um die verfrühte Menopause, die sehr selten ist und dennoch vorkommt (im Interview saß eine 16-jährige Dame, die bereits die Wechseljahre hinter sich hat). Ich saß tatsächlich auf der Couch und wünschte mir, ich hätte das auch, damit ich endlich meine Ruhe hätte mit dem leidigen Thema. Wenn mir die Natur einfach jetzt schon meine Entscheidung abgenommen hätte... Soweit war es schon!

Der ursprüngliche Plan sah vor, die Minipille aufzubrauchen (immerhin habe ich das Zeug ja bezahlt) - bis auf einen letzten Blister für den "Notfall", damit ich gleich wieder anfangen könnte, sollten sich keine Verbesserungen einstellen. Aber je länger ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, umso mehr habe ich das Gefühl bekommen, dass ich so nicht weiter machen kann und will. Es geht mir schlecht, wieso als nochmal 2 Monate durchhalten, weitere 2 Monate diese blöden Pillen fressen, wenn ich es doch gleich beenden kann?

Und dann nahm ich nach über 16 Jahren heute abend die (vorerst?) letzte Pille und bin nun gespannt, was mit mir passieren wird...







Hier mal eine Linkliste mit ein paar Seiten, auf denen ich mich bisher schlau gemacht habe (ist bestimmt nicht vollständig!):
https://www.risiko-pille.de/mein-leben-ohne-pille-blog/

https://www.stern.de/neon/magazin/10-dinge--die-fast-niemand-ueber-das-absetzen-der-pille-weiss-7761714.html 

https://lebenalacarte.de/pille-nie-wieder-fazit-nach-2-jahren-ohne-hormone/ 

https://www.diecheckerin.de/pille-absetzen-dinge-die-ohne-pille-besser-sind/

https://www.femelle.ch/love/pille-absetzen-folgen-fuer-koerper-und-psyche-ohne-antibabypille-1061

https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/natuerliche-methoden/

https://www.fitforfun.de/sex-soul/verhuetung/pille-absetzen-leben-ohne-pille-was-passiert-mit-dem-koerper-187518.html

Dazu kam natürlich noch die ausführliche Beratung durch die Gynäkologin, die ich mir eingeholt habe, BEVOR ich im Internet anfing zu recherchieren.

1 Kommentar:

  1. Für mich stellt sich hier ganz im Ernst die Frage warum dein Schatz sich nicht so mit dem Thema beschäftigt? Ist ok das er das Vergnügen geteilt hat . Aber wenn er sich immer drücken konnte ist er jetzt einfach mal dran. Geht auch ohne op . Habe ich gehört ;)
    LG Heidi

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