Donnerstag, 9. April 2026

Colmar feiert den Frühling - Ein Tagesausflug ins Elsass

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Am Karfreitag bin ich gegen 8 Uhr aufgestanden. Mit der Straßenbahn ging es zum Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn nach Breisach am Rhein.
 
Die Fahrt mit der S-Bahn war wieder absolut typisch Deutsche Bahn. Normalerweise besteht der Zug aus zwei Teilen, die in Gottenheim getrennt werden. Die eine Hälfte fährt nach Breisach, die andere nach Endingen am Kaiserstuhl. 
 
Aber nicht am Karfreitag! Das wäre ja zu einfach. Bei herrlichstem Ausflugswetter fehlte der Endinger Teil des Zuges und sämtliche Fahrgäste mussten sich mit Hund, Kinderwagen, Rollstuhl und einem Duzend Fahrräder in den kleinen Breisach-Waggon quetschen. Es war brechend voll. Ach, und das einzige WC war natürlich auch kaputt. Wenn, dann richtig ;-) Erst in Gottenheim, wo der fehlende Kaiserstuhl-Teil des Zuges stand, wurde es leerer. 
 
Genauso chaotisch ging es am Busbahnhof weiter. Bis Breisach ging ja alles mit meinem D-Ticket. Dort musste ich in den Bus nach Frankreich umsteigen. Kostet lediglich (Stand 2026) 4 EUR pro Fahrt. Zahlung direkt beim Busfahrer (bar oder Karte).
 
Leider war ich um 10:30 Uhr nicht die einzige, die ins Elsass wollte. Der Bussteig war brechend voll. Hauptsächlich indisch-asiatische Touristen. Als der Bus ankam, stiegen Leute aus. Heißt: die hintere Tür war als erste offen. Natürlich haben die ganzen Touris erstmal den Bus gestürmt (an der hinteren Tür) und sich Plätze gesichert und sind dann IM BUS zum Fahrer vor, um zu bezahlen. Logischerweise kamen sie dann aber nicht aneinander vorbei, weil der Gang so eng war. Also zur Vordertür raus, durch die "normal anstehende Bevölkerung" hindurch und wieder hinten rein. Absolutes Chaos, was am Ende zu fast 25 Minuten Verspätung führte. Total unnötig. Vor allem weil am Ende trotz allem wirklich JEDER - sogar ich, die als letzte rein kam! - einen Sitzplatz bekam.
 
In dem ganzen Chaos hab ich mich echt freundlich mit einem Herrn (ebenfalls Tourist) unterhalten, der sich über seine touristischen Mitreisenden aufgeregt hat. Auf dem Arm hatte er seine 11 Monate alte Tochter, die mir Grimassen schnitt und dann immer los kicherte. Voll niedlich. Am Ende haben wir sogar auf der 45-minütigen Fahrt nach Colmar nebeneinander gesessen. Aber der Bus war so voll, dass mitten auf der Fahrt, als in Vogelgrun (F) noch Leute dazu wollten, Gepäckstücke, Rollstuhl und Kinderwagen erstmal in den Stauraum unter dem Bus verfrachtet werden mussten, um mehr Platz für die weiteren Fahrgäste zu schaffen. Und ein Pärchen mit Kinderwagen, was in Neuf-Brisach dazu wollte, wurde erst gar nicht mehr mitgenommen. Die taten mir etwas Leid, vor allem weil der Bus ja nur alle 2 Stunden fuhr.
Gare de Colmar
Der Bus (Linie R26) hält am Bahnhof in Colmar. Da ist Endstation, wo wir mit inzwischen fast 30 Minuten Verspätung ankamen.
Champ de Mars mit Admiral Bruat Brunnen
Nur wenige hundert Meter vom Gare de Colmar ist der Champ de Mars - ein großer Park mit Bänken, Bäumen, Wasserspielen und einem Karussell von 1900 - dem größten Holzkarussell in Frankreich.
Champ de Mars mit Wasserspiel u. Colmar-Schriftzug
Colmar ist die drittgrößte Stadt im Elsass und Geburtsort des Künstlers Frédéric-Auguste Bartholdi. Selbst wer Bartholdi nicht kennt, sein berühmtestes Werk kennt wohl jeder: die Freiheitsstatue in New York (USA).
Salles des Catherinettes (oben links) u. Osterdeko in Colmar
Weiter ging es über die Rue Kleber, vorbei am Katherinensaal zum Place d'Unterlinden. Vom 2. bis 26. April 2026 steht Colmar unter dem Motto "Fête le printemps" (Colmar feiert den Frühling). Ganz Colmar ist mit Blumen und Osterdeko geschmückt. Es gibt zwei Ostermärkte. Man hat sich wirklich viel Mühe gemacht.
Maison des têtes (oben links)
Das eh schon malerische Städtchen hat sich richtig herausgeputzt und es gibt an jeder Ecke was zu sehen und zu entdecken. 
Und obwohl der Karfreitag im Elsass ein offzieller Feiertag ist, hatten einige Geschäfte dennoch geöffnet. Die üblichen Touristenfallen mit hässlichen Souveniers, aber auch ein paar Bäckereien, Käserein und natürlich Restaurants.
Ostermarkt auf dem Place des Dominicains
Den ersten Ostermarkt gab es auf dem Place des Dominicains. Ich weiß nicht genau wieso, aber irgendwie hatte ich etwas anderes im Kopf. Im Prinzip war es wie ein Weihnachtsmarkt nur mit anderer Deko und und ohne Glühwein :-) 
Es war echt nett, aber auch brechend voll. Es gab französische Spezialitäten. Unter anderem einen Stand, der Foie Gras anbot. Diese Delikatesse ist sehr umstritten und in vielen Ländern ist diese Art der Mast inzwischen sogar als Tierquälerei verboten. Aber es gab auch regionales Kunsthandwerk und Flammkuchen, Schinken, Wein und Töpferwaren.
Kreuz und quer spazierte ich durch die schnuckelige, historische Altstadt. Vorbei an vielen bunten Fachwerkhäusern - teilweise über 650 Jahre alt! Irgendwann meldete sich allerdings dann auch mal die Natur zu Wort. Wie praktisch, dass es an der Église Saint-Matthieu eine öffentliche Toilette gab.
Das Klo des Grauens
Ich hab eine Weile in der Schlange gestanden. Keiner hat irgendwas gesagt, als er wieder raus kam. Erst das französiche Paar vor mir, hat versucht mit mir zu kommunizieren. Beide sprachen aber kaum Englisch und ich so gut wie kein Französisch. Aber mit Händen und Füßen und ein paar universellen Handzeichen war am Ende klar: das Licht funktioniert nicht. Innendrin stockfinster wenn Tür zu. Vielleicht auch besser so, da total versifft und kein Klopapier. Igitt! Aber ich hatte hier inzwischen so lange angestanden, dass ich mich nicht getraut habe, eine andere Toilette zu suchen und da womöglich nochmal ewig anzustehen. Also: Handy-Taschenlampe, Luft möglichst lange anhalten, Rucksack keines Falls abstellen und möglichst nichts berühren. Zum Glück hatte ich gerade meine alte Flasche Desinfektionszeugs gegen eine neue ausgetauscht und konnte im Anschluss an dieses widerliche Abenteuer ordentlich die Hände desinfizieren. 
Gegenüber von Saint-Matthieu ist das historische Krankenhaus (ancien hôpital) und der Place du 2 Février mit einem Mahnmal. Aber auch schöne Osterdeko und ein paar nette Bänke zum entspannen gibt es dort. Hier hatte ich mich vor dem Horror-Klo bereits niedergelassen, um etwas Pause zu machen und mein belegtes Brötchen zu futtern. Gut, dass ich es in weiser Voraussicht nicht umgekehrt gemacht habe :-D
Place du 2 Février mit Saint-Matthieu
Weiter ging es kreuz und quer durch die historische Altstadt. An buntem Fachwerk kann man sich hier einfach nicht satt sehen.
Auch am Colmarer Münster kam ich vorbei. Aber auch hier auf dem Place de la Cathédrale war ziemlich viel los. Im Münster war ich allerdings nicht. Ich weiß, der kostet Eintritt. Ich war 2009 mal drin, als ich Besuch von meiner sibirischen Freundin hatte.
Colmarer Münster (unten), Maison Pfister (oben rechts)
Vorbei an diversen Touristengruppen, die Führungen machten führte mich mein Weg weiter. Auf verschlungenen Pfaden druch schmale Gässchen, in die sich außer mir keiner der anderen Touristen verirrte ging es weiter.

Schwendi-Brunnen (unten rechts)
Ich näherte mich langsam dem zweiten Ostermarkt. Dieser fand am Alten Zollplatz (Place de l'Ancienne Douane) statt. Dort steht auch der Schwendi-Brunnen. Ebenfalls ein Kunstwerk von Bartholdi.

Ostermarkt am Place de l'Ancienne Douane, und das Koifhus (links)
Auf diesem kleinen Markt war es sogar noch voller als auf dem ersten. Es war kaum ein Durchkommen. Solche Menschmassen mag ich eigentlich gar nicht. Aber auch hier fand ich leider nichts, was mich auf anhieb angesprochen hätte. Echt schade. Ich hatte so sehr auf ein kleines Mitbringsel gehofft. 
Reste der mittelalterlichen Stadtmauer
Entlang des Flusses Lauch und vorbei an Resten der mittelalterlichen Stadtmauer, machte ich mich auf Richtung Klein Venedig (Petite Venise). 
Petite Venise
Klein Venedig hat seinen Namen mehr als verdient. Die hübschen Häuser direkt am Kanal sind ein absoluter Augenschmaus. Ich bin einem schmalen Gang gefolgt, der direkt am Kanal entlang führte und am Ende sogar am Bootsanleger heraus kam.
Petite Venise
Die Schlange dort war recht lang. Und ich hatte nur noch knapp über eine Stunde Zeit, bis der Bus wieder zurück fuhr. Das war mir vom Zeitmanagement her zu heikel. Sonst hätte ich gerne die kleine Bootstour über die Lauch mitgemacht. 
Petite Venise
Aber auch die habe ich 2009 schonmal absolviert, als Anna zu Besuch war. Das war richtig toll und irgendwann komme ich nochmal her und mache die Bootsfahrt nochmal mit :-)
Square Gustave Adolphe Hirn (oben links)
Ich lief noch etwas herum, erreichte den Rand der historischen Altstadt und habe überlegt, was ich mit der restlichen Zeit noch anfange. Denn inzwischen taten mir die Füße doch etwas weh. Und zurück in die Menschenmassen wollte ich auch nicht unbedingt.
Am Ende landete ich an der Bartholdi Statue am Parc de la Cour d'appel (dem Park vom Berufungsgericht). Der Park war so schön und kaum jemand war dort. Ich hab mich auf eine Bank unter einen Baum gesetzt und einfach die vorbeilaufenden Leute beobachtet.
Ich hab einfach die Ruhe genossen und noch ein Kapitel in meinem Buch gelesen. Wenn ich den Ex dabei gehabt hätte, wäre das nie möglich gewesen. Der war übrigens etwas "unglücklich" darüber, dass ich ihn nicht mitnehmen wollte. Aber mir hat der Tag alleine wirklich sehr gut getan.
Rückfahrt von Colmar
Der kleine Park ist nicht weit vom Bahnhof. Ich konnte von meiner Bank aus sogar den Turm vom Bahnhofsgebäude sehen. Als es Zeit wurde, habe ich mich aufgerafft und bin wieder zur Bushaltestelle spaziert. Der Bus kam pünktlich und es waren wieder viele Leute da. Aber bei weitem nicht so viele wie auf der Hinfahrt. Wir mussten uns nicht quetschen und ich hatte einen Platz für mich alleine.
Blick über den Rhein (Grenze) auf Breisach in Deutschland
Der Bus hält übrigens auch in Neuf-Brisach. Neu-Breisach liegt auf französischer Seite und ist eine alte Festungsstadt, entworfen von Vauban. Der Gute hat in Freiburg auch rumgebaut (man sieht es nur nicht mehr) und nach ihm ist sogar ein ganzer Stadtteil hier benannt. 
 
Da will ich auch nochmal hin. Aber ich denke, da würde ich dann eher mit dem Auto fahren (wenn die Spritpreise es erlauben). Denn sooo groß ist die Stadt nicht. Da möchte ich nur ungern den Bus nutzen, der nur alle 2 Stunden fährt. 
 
In Breisach hab ich auch (weil Bus pünktlich) ohne Probleme die S-Bahn bekommen und war gegen 17:30 Uhr wieder Zuhause. Das war ein richtig toller Ausflug. Er hat Körper und Seele gut getan. Nicht so gut war, dass ich (mal wieder) die erste Frühlingssonne unterschätzt und mir einen leichten Sonnenbrand am Dekoltee und auf der Stirn eingefangen habe :-/ Jedes Jahr das Gleiche. Man sollte meinen, nach 43 Jahren wäre ich endlich etwas klüger. Aber Nö! 

4 Kommentare:

  1. Das war ein ereignisreicher Tag für Dich. Ich wäre wohl vor den Menschenmassen geflüchtet. Wenn wir jemals nach Colmar fahren, dann an Wochentagen.
    Von Deinen Bildern her erinnert mich alles ein wenig an Straßburg. Dass die Toiletten so versifft sind, das wundert mich nicht. Ähnliche Erfahrungen machte ich schon in anderen Städten in F. Lieber ginge ich in den Wald, wenn das möglich ist. 😉
    Glücklicherweise hast Du einen ruhigen Rückzugsort gefunden, abseits der Menschenmengen und die Heimfahrt mit der Bahn verlief dann wieder etwas entspannter.
    Liebe Grüße von Ingrid, der Pfälzerin

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    1. Ja, unter der Woche und außerhalb der Schulferien/Feiertage ist es dort sicher nicht ganz so voll und etwas angenehmer. Da ich aber auch immer wieder Ecken und Gässchen entdeckt habe, in denen ich eher alleine war, ließ es sich aushalten. Und ja, es ist Strasbourg sehr ähnlich. Wobei ich es in Colmar irgendwie noch einen Ticken "niedlicher" finde, einfach, weil alles doch etwas kleiner ist. Das nahegelegene Riquewihr kann ich euch auch sehr ans Herz legen, wenn ihr eh dort in der Gegend seid. Mit öffentlichen WCs habe ich bisher nur Erfahrungen in Strasbourg und Paris gesammelt und da scheinbar bisher immer richtig Glück gehabt :-)

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  2. Tolle Bilder :)) Ich freue mich immer total wenn ich auf diese Weise mitgenommen werde. Das Du auf die vielen kleinen Details achtest finde ich richtig gut :)) Danke schön
    Toiletten die ekelig sind finden sich irgendwie überall . Genial finde ich die , die sich nach jedem Gast komplett selbst reinigen. Da warte ich gerne bis der Vorgang beendet ist.
    Da ich weiß das es sie nicht überall gibt, habe ich erst Gestern wieder einwegtücher für unterwegs gekauft. Die kann man für alles gebrauchen :))
    LG heidi
    PS... Pause vom Alltag ist immer toll

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    1. Theoretisch hätten sich die öffentlichen WCs in Colmar auch selbst gereinigt. Ich glaube, das ist in Frankreich so üblich. Aber hier hab ich wirklich absolutes Pech gehabt. Aber was muss, das muss :-D Und ich hab es ohne Infektionen überlebt. Ich glaube, den nächsten Trip mache ich in die Schweiz :-)

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